Interessiert es noch jemanden, wer Deep Throat war? Der Autor Leonard Garment glaubt, nun endlich die Identität der mysteriösen Insider-Quelle entdeckt zu haben, welche die beiden Reporter der Washington Post Bob Woodward und Carl Bernstein durch das Geflecht der Betrügereien führte, die Richard Nixon und seine Berater im Zuge des Watergate-Skandals errichteten.

Wenn Garment Recht hat, dann hat er ein Rätsel gelöst, das Journalisten und Regierungsbeamte jahrelang beschäftigt hat. Aber alle Amerikaner, so Garment in seinem Buch In Search Of Deep Throat, sollte es interessieren, wer jener Insider war. Ohne ihn wäre der Watergate-Skandal womöglich im Sande verlaufen, bevor Nixon zum Rücktritt gezwungen wurde, was die amerikanische Politik des vergangenen Vierteljahrhunderts grundlegend verändert hätte.

Eine weitere Neuerscheinung zu Nixon, die äußerst kritische Biografie des ehemaligen BBC-Journalisten Anthony Summers, The Arrogance of Power, macht Nixon für einen Großteil des Zynismus verantwortlich, mit dem viele Amerikaner heute die Redlichkeit und Kompetenz ihrer Regierung betrachten.

Selbst ein ehemaliger Mitarbeiter Nixons, David Gergen, räumt dies in seinen neuen Erinnerungen ein. Alle drei Bücher haben in den Medien enorme Beachtung gefunden. Auszüge von Summers' Biografie erschienen in Vanity Fair, überdies begründete das Buch auch noch die off the book-Seite, die bei amerikanischen Publizisten so begehrt ist: Ein enthusiastischer Artikel erschien im Nachrichtenteil der Sonntagsausgabe der New York Times. Aber ob die Öffentlichkeit diese Begeisterung teilt? Gergens Buch immerhin hat es in der New York Times an die Spitze der Bestenliste geschafft.

Besonders Summers' Buch liefert erhellende und aktuelle Hinweise darauf, welche Entscheidungen des Präsidenten nun tatsächlich eine Bedrohung der Republik darstellen und welche nicht. Gerade Amerikanern, die in den neunziger Jahren volljährig wurden, als ein Präsident wegen einer Sexaffäre fast aus dem Amt gejagt wurde, würde die Lektüre dieses Registers von Korruptheit, Paranoia, Bösartigkeit und Missachtung der Gesetze gut tun.

Es ist typisch für unsere Zeit, dass die Times sich zunächst auf die persönlichen Enthüllungen des Buches konzentrierte: Nixon hatte schwere Alkoholprobleme, war wahrscheinlich abhängig von dem rezeptpflichtigen Medikament Dilantin, das zu starken Stimmungsschwankungen führt. Gegen Ende seiner Präsidentschaft war Nixon psychisch so instabil und kaum mehr nüchtern, dass höheren Regierungsbeamten beider Parteien angesichts seiner Verfügungsgewalt über den Knopf für die Atomwaffen etwas mulmig wurde. Der Verteidigungsminister ging so weit, alle Militäreinheiten anzuweisen, Befehlen aus dem Weißen Haus erst dann zu gehorchen, wenn sie von ihm selbst oder dem Außenminister bestätigt waren.

Doch Summers schwerwiegendste Information betrifft Nixons anhaltende Neigung, seine politischen Interessen über sämtliche andere Erwägungen zu stellen.