Die Party endet mit einem Knall - Bertelsmann übernimmt die Musiktauschbörse Napster. 37 Millionen registrierte Nutzer reiben sich verwundert die Augen und warten, wie es weitergeht. Monatelang haben sie ihre Lieblingsmusik mit einer speziellen Software über das Internetportal von Napster auf ihre Computer heruntergeladen, ohne dafür zu bezahlen. So konnten sie ihre Sammlung von Britney Spears oder der Heavy-Metal-Band Metallica um seltene Titel, Live-Auftritte und Studioversionen bereichern. Und nun verkauft Napster-Chef Hank Barry einfach an einen der weltgrößten Musikkonzerne.

Die Zahlen über die Beliebtheit gehen auseinander, sind aber in jedem Fall gewaltig. 20 bis 30 Millionen Musiktitel werden täglich über Napster getauscht, sagt Bertelsmann. Der Bundesverband der Phonographischen Industrie spricht von 1,4 Milliarden allein im Monat September.

Haltet die Diebe, skandieren die Manager der Musikindustrie, seit Napster und andere Tauschbörsen die Internet-Nutzer zu Millionen anziehen. Der Vorstandsvorsitzende von Bertelsmann, Thomas Middelhoff, meint sogar, "verzweifelte Ratlosigkeit bei seinen Mitbewerbern gespürt" zu haben, als sich die Branche im Frühjahr auf der Branchenmesse Popkomm traf. Die Verbände der amerikanischen Musikindustrie verklagten Napster in Kalifornien - unter Beteiligung von Bertelsmann. Die Tauschbörse sei für massive Urheberrechtsverletzungen verantwortlich.

Alles ein rein privates Vernügen, argumentiert Napster-Gründer Shawn Fanning.

Die Nutzer würden die Tauschbörse nur als Plattform benutzen und unter Freunden Kopien austauschen. Und das sei ja wohl legal. Nicht zuletzt deshalb heißt die Technik Peer-to-Peer (P2P), was man mit Kumpel-zu-Kumpel übersetzen könnte. Anders gesagt: Mithilfe moderner Software bieten die Konsumenten selbst auch im Netz an.

Ist das von Andreas Schmidt, Chef der Bertelsmann E-Commerce Group, eingefädelte Geschäft ein genialer Streich für die ganze Musikindustrie? Oder ist es das Husarenstück eines Unternehmens, das Nachholbedarf im Musikvertrieb übers Internet hat? Vielleicht beides. Jedenfalls übernimmt Bertelsmann jetzt die Führungsrolle bei Napster.

Den Internet-Nutzern geht nur eine von vielen Tauschbörsen verloren. "Und morgen schon kann neben Napster ein Rapster entstehen", warnt Hartmut Spiesecke vom Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft. Ungebrochen ist die Lust der Surfer, Musik im Internet zu suchen und dabei die Urheberrechte der Künstler und die Verwertungsrechte der Musikindustrie zu missachten.