Der letzte Tag. Die ZEIT-Reisenden besuchen das Parlament. Vis-à-vis des Hauptgebäudes ein riesiges Wandbild, auf dem kilometerlange Wählerschlangen zu sehen sind - Südafrikas langer Marsch in die Demokratie, abgeschlossen am 27. April 1994. An diesem Tag durften Schwarze zum ersten Mal in der Geschichte des Landes wählen. Welche Bedeutung dieses Bürgerrecht für die Ausgebeuteten und Unterdrückten hatte, ist in jedem Satz des jungen Mannes zu hören, der uns durch die Plenarsäle führt. Das Abgeordnetenhaus und der Senat entsprechen unserem Bundestag und Bundesrat. Hier verteidigten die weißen Politiker die Apartheid, hier verkündete Frederik Willem de Klerk ihr Ende. Und hier öffnete Nelson Mandela, der erste schwarze Präsident Südafrikas, den Weg in eine demokratische Zukunft.

Zum Abschluss eine Begegnung mit dem ANC-Abgeordneten Mnyameleli Booi, dessen Wahlkreis in Crossroads liegt, einer der ärmsten und gewaltgeplagtesten Townships im Lande. Er führt den ZEIT-Reisenden noch einmal alle Kardinalprobleme des neuen Südafrikas vor Augen: 30 bis 40 Prozent Arbeitslosigkeit, eine derzeit sogar wachsende Kluft zwischen Schwarzen und Weißen, Armen und Reichen. Und, Folge der extremen Ungleichheit, eine ausufernde Kriminalität.

Dazu die schlimmste Geißel: Aids. Bald jeder zehnte Südafrikaner - 4,2 Millionen Menschen - trägt das todbringende HI-Virus bereits im Blut. Weit höher ist der Anteil in der jungen Generation - den Hoffnungsträgern des Wandels. Auch einen guten Freund und Kampfgefährten Boois hat die Seuche erst diese Woche hingerafft: Parks Mankahlana, Sprecher des Präsidenten Thabo Mbeki. Aber die Regierung will nicht offen darüber reden: Auf höchster Ebene wirken die alten Tabus. Eine vertane Chance, das Volk zu mahnen: Aids kann jeden treffen.

Dennoch: Auch Booi verkörpert den Stolz und die Zuversicht des neuen Südafrikas, die wir auf unserer Reise immer wieder gespürt haben. Aber er macht sich keine Illusionen über die Wucht der Herausforderungen an Politiker wie ihn: einerseits die Erwartungen der Schwarzen zu erfüllen, anderseits den Weißen die Zukunftsängste zu nehmen. Und gleichzeitig auch noch die Entwicklung in ganz Afrika voranzutreiben.

"Nach langer Isolation sind wir zurückgekehrt in die Welt. Wir müssen jetzt Anschluss an das globale Wirtschaftssystem finden und können nicht mehr alle Anpassungsprobleme mit der Apartheid entschuldigen. Wir müssen den Prozess des Wandels beschleunigen, damit es allen besser geht. Das ist nur mit stabilem Wirtschaftswachstum möglich." Booi wünscht sich eine noch engere Zusammenarbeit mit Deutschland, dem nach England wichtigsten Handelspartner Südafrikas. "Nehmen Sie diese Wünsche mit nach Hause."

Und dann ging alles ganz schnell: Imbiss in der Stadt, ein paar Souvenirs besorgen, Packen, raus zum Flughafen. Flug Nr. 260: Pünktlich startet der Jumbo der South African Airways Richtung Frankfurt. Ein letzter wehmütiger Blick zurück auf den Tafelberg, der sich noch einmal in all seiner Pracht über Kapstadt erhebt.

Hamba Kahle! Gute Reise. Auf Wiedersehen, Südafrika.