Als ich mein Auto in der Tiefgarage unter dem Bahnhof von Valence parkte, war es kurz nach acht, und der Mistral machte sich daran, die bedrohlichen Tiefs aus dem Rh'netal zu vertreiben. Vier Stunden später stieg ich in Lille in den Eurostar. Das ist der Zug, der durch den Kanaltunnel nach London fährt. Noch einmal zwei Stunden für Käptn Nemo ein Klacks. Meine Begleiterin (ja, glaubt denn jemand, ich führe ohne sie?) blätterte nervös in den Tageszeitungen, war aber keine Nachricht über ein russisches U-Boot drin. Als der Zug im Tunnel verschwand, hatte sich noch keine Stewardess blicken lassen, die die 1.-Klasse-Passagiere über die Benutzung der Schwimmwesten informierte.

Stattdessen erschienen andere Dienstleister und servierten, ohne lange zu fragen, ein 1.-Klasse-Menü.

Ich hatte gerade meinen Reiseproviant (das übliche Butterbrot) verzehrt und sah der Speisung der Londonpilger gelassen entgegen. Wahrscheinlich war der Fraß nicht schlechter als das Zeug, was sie einem über dem Wasser, in der Luft servieren. Es war nur einfach ungenießbar. In einer Plastikschale lagen schön trockene Salatblättchen, mit Mandelsplittern, Pinienkernen und Nussfetzen dekoriert. Ein durchsichtiges Döschen trug die Aufschrift Vinaigrette und zur allgemeinen Heiterkeit bei. Was in ihr schwappte, sah aus wie aus der Samenbank entwendet. Dieser Gang hieß Mélange gourmand.

Die nächste Heldentat, wieder in einer Plastikschale angerichtet, bestand aus gelben Nudeln und zwei dicken, eingebackenen Fleischfasern, welche auf der Speisekarte als Médaillon de dinde vorgestellt wurden, also Truthahn. Als ich versuchsweise das Messer ansetzte, hatte ich das Gefühl, fünfhundert Salmonellen sähen mich erwartungsvoll an. Schnell trank ich einen Schluck vom Tischwein, einen Chardonnay von Louis Max in der Minipulle, der mich sofort an das russische U-Boot denken ließ: Ich glaubte, mein letztes Stündlein habe geschlagen. Es waren auf dem Tablett noch ein Aprikosentörtchen sowie eine Semmel und Butter im Wert von fünfeinhalb Kalorien.

Was mochte den Zwischendeckpassagieren in der 2. Klasse wohl serviert werden?

Hier kostete die Tunnelfahrt pro Person immerhin 418 Mark.

In London war gerade Schlussverkauf mit bis zu 70 Prozent Rabatt! So waren die Krawatten kaum teurer als in unseren Luxusboutiquen. Aber wer trägt noch Krawatten? Um diese brennende Frage zu beantworten, stieg ich hintereinander in Hotels ab, die als Treffpunkt der Krawattenträger Weltruf genießen.