Zunächst beschäftigte man sich mit den Fragen: Was tut sich an den Hochschulen selbst? Wie werden Online-Angebote in das reguläre Lehrangebot eingefügt? Professor Dr. Klaus Brockhoff, Rektor der WHU Koblenz-Vallendar, machte in diesem Zusammenhang deutlich, dass sich hier seit den 70er Jahren ein enormer Markt entwickelt habe, und man durch die Kooperation mit anderen Hochschulen von deren Angeboten profitieren könne. Gleichzeitig mache die Vielfalt des Angebots eine wirksame Qualitätskontrolle immer wichtiger, der Bedarf an einer Zertifizierung müsse in diesem Zusammenhang immer wieder genannt werden.

Zweitens ging es um den Weiterbildungsmarkt, der den Hochschulen grundsätzlich neue Entwicklungspotenziale und Einnahmemöglichkeiten bietet. Gleichzeitig herrschte Übereinstimmung, dass die öffentlichen Hochschulen sich bei weitem noch nicht zu Weiterbildungsinstitutionen entwickelt hätten. Eine strategische Herangehensweise der Hochschulleitungen an das Thema – und damit die Verknüpfung von Weiterbildung und Markt - sei nur bei wenigen Hochschulen erkennbar. Wirtschaftsvertreter bemängelten, dass das bisher Geleistete angesichts des gewaltigen Potentials noch viel zu wenig sei. In den Vereinigten Staaten würden jährlich 700 Milliarden US-Dollar im Bildungsbereich umgesetzt. Die Ansätze in Deutschland hingegen seien bislang ungenügend, um das deutsche Bildungsangebot und –abschlüsse ins Ausland zu transportieren.

Fazit der Experten: den Online-Campus, der das Ende der Präsenzuniversität heraufbeschwört, wird es so nicht geben. Der Einsatz neuer Informations- und Kommunikationstechnologien wird zwar das gesamte Bildungssystem grundlegend verändern. Besonders bei der Entwicklung einer neuen Lehr- und Lernkultur gibt es entscheidende Veränderungen – eine neue Lernumgebung entsteht. Grundsätzlich waren sich alle Anwesenden jedoch einig, dass das Lernen im persönlichen Kontakt nicht ersetzt werden kann. Solche Visionen würden übersehen, dass Lernen mehr als die individuelle Verarbeitung von Informationen sei. Der Bildungsprozess müsse als Sozialisierungsprozess verstanden werden, der die Gemeinschaft der Lernenden und Lehrenden braucht.

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