Das Elend der Deutschen Bahn...

Nicht sehr überrascht ist der "Tagesspiegel" über die Bestandsaufnahme der Bahn. Reinhard Klimmt und Hartmut Mehdorn "stellen nun auch fest, was Millionen Bahnkunden täglich selbst erfahren müssen". Das Berliner Blatt ist überzeugt, dass das Unternehmen zur Überwindung der Krise eines starken Verkehrsministers bedarf, der Finanzminister Eichel noch die eine oder andere Million entlockt. Und genau da hapert es: "Klimmt hat nach seiner Fußball-Affäre kaum das Standing für das große Feilschen." Auch das "Handelsblatt" merkt trocken an: "Ein angeschlagener Minister präsentiert ein angeschlagenes Unternehmen." Den Grundfehler dafür, dass die Deutsche Bahn sich "vom Hoffnungsträger zum Dauerpflegepatienten" entwickelt habe, sieht das "Handelsblatt" in der Bahnreform 1994, "bei der nicht auf einen Wandel durch Wettbewerb gesetzt wurde, sondern nur neue monopolartige Strukturen unter dem Dach der DB AG geschaffen wurden." Die "taz" geht in ihrer Analyse noch einen Schritt weiter in die Vergangenheit zurück, denn schon nach der Ölpreiskrise in den 70ern sei offenbar geworden, "dass nicht die Bahn schuld an ihren Schulden ist: Sie wird vom Staat systematisch benachteiligt, der eindeutig das Auto fördert." Und es sei ja wohl unstrittig, "dass das Auto ein Auslaufmodell ist."

...und die nächste Folge der Fußball-Soap

"1:2 - Erste Pleite für Völler": Der erste "Rumpel-Anfall seit der EM" hat dafür gesorgt, dass die glorreiche Serie von "Rudi Riese" (elf Spiele ohne Niederlage mit Leverkusen und der Nationalmannschaft) zu einem abrupten Ende gekommen ist. Das bringt die vereinigte Jubelpriesterschaft der deutschen Sportjournalisten ins Grübeln, ob man nach drei Siegen nicht schon allzu früh wieder von heroischen Fußballzeiten geträumt hat. Jetzt geht man mit einer Niederlage in den Winter - es sei denn man lebt in Florida, war gerade beim Friseur, trägt einen Lippenspoiler und versucht ausnahmsweise mal nicht Kokser-Augen zu machen. Dann nämlich heißt man Christoph und hat gerade mal wieder eine "Daum-Sensation" vollbracht: "Neuer Haar-Test - Kein Kokain!" Das haben die einen jetzt schon immer gewusst, die anderen glauben kein Wort, und die ganz Schlauen wundern sich, warum ein Mann einer deutschen Boulevardzeitung, die ihn nachhaltig in die Pfanne gehauen hat, auch noch Exklusivfotos zukommen lässt.

ausgewertet: FAZ, FR, SZ, Welt, Bild, Tagesspiegel, taz, Handelsblatt

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