DIE ZEIT: Sie sind mit Lion Bioscience einer der erfolgreichsten Bio-Tech-Unternehmer in Deutschland. Gleichzeitig kritisieren Sie, der Staat mische sich an falscher Stelle in die Förderung der Branche ein. Wieso?

FRIEDRICH VON BOHLEN: Eines vorweg: Grundsätzlich muss in die Branche mehr Geld investiert werden, um Deutschland und Europa in dieser Schlüsseltechnologie voranzubringen. Das Geld aber, das der Staat jetzt für die Förderung der angewandten Forschung aufwendet, sollte er verstärkt in exzellente Grundlagenforschung stecken, denn gerade dort muss Deutschland Spitze bleiben. Die Treiber der industrialisierten Zivilisation sind nun mal Wissenschaft und Technologie. Wohlstand erreichte Europa über die erste industrielle Revolution, die zweite Revolution brachte Japan nach oben. Nun kommt, davon bin ich fest überzeugt, die dritte industrielle Revolution durch die Vereinigung von Informations- und Biotechnologie. Da müssen Europa und gerade Deutschland zu den Gewinnern zählen.

ZEIT: In den Sonntagsreden der Politiker ist das ja immerhin angekommen. Wo aber macht die Politik Fehler?

VON BOHLEN: Ich denke, man sollte die staatliche Förderung angewandter Forschung zurückfahren. Sicherlich muss Geld in diesen Bereich, aber da der Staat kein Geld hat, müssen die Mittel aus anderen Quellen kommen. Staatliche Förderung schafft nicht Qualität, sondern nur Masse.

ZEIT: Die deutsche Biotechnologiebranche ist doch aber erst durch die milliardenschwere Hilfe der Politik zur Nummer eins in Europa geworden.

VON BOHLEN: Wer sagt, wir seien die Nummer eins in Europa? Entscheidend ist doch nicht, wie viele Bio-Tech-Unternehmen ein Land hat. Wichtig ist kritische Masse, also wie viele Leute pro Unternehmen arbeiten. Und natürlich Produktivität, also wie viel Umsatz und Profit die Firmen pro Mitarbeiter machen. In Deutschland und Europa wächst zwar die Zahl der Unternehmen und ihrer Angestellten, aber wir haben noch lange nicht die Kennzahlen der USA erreicht. Und man muss hoffen, dass wir in den nächsten Jahren keine bösen Überraschungen erleben. Wie wir Deutschen reagieren, wenn das erste börsennotierte Bio-Tech-Unternehmen publikumswirksam gegen die Wand lauft, will ich mir momentan lieber nicht vorstellen.

ZEIT: Zurück zur Finanzierung von Qualität. Wie bringt man Wagnisfinanzierer dazu, sich direkt an den Hochschulen nach exzellenten Projekten umzusehen?