Manchmal können auch Chirurgen Unterstützung gebrauchen. Umso besser, wenn dann Götter oder zumindest Genies zur Verfügung stehen. Zeus und DaVinci assistieren derzeit in einem halben Dutzend deutscher Operationssäle bei Herzoperationen.

Die rund zwei Millionen Mark teuren Maschinen sind ein Symbol für den Wandel in der Operationskunst: "Minimal-invasive Chirurgie" lautet der Slogan, dem nun auch die Herzspezialisten folgen. Bis vor zehn Jahren hat vor allem die Größe von Männerhänden die Operationstechnik bestimmt und damit auch die Länge der Narben. Doch dann haben zuerst Frauenärzte, zusammen mit Ingenieuren, winzige mechanische "Hände" konstruiert. Mit bleistiftdicken Instrumenten, die durch "Schlüssellöcher" im Körper stecken, können die Chirurgen greifen, schneiden oder klammern. Das fingerdicke "Endoskop" - Videokamera und Lichtquelle in einem Instrument - überträgt die Operationsbilder aus Bauchhöhle oder Knie auf einen Monitor. Für Patienten bedeutet der Verzicht auf den großen Schnitt weniger Schmerzen, kleinere Narben, schnellere Erholung und kürzere Krankenhausaufenthalte. Gallenblasen und Menisken werden heute eigentlich nur noch im Ausnahmefall "offen" operiert. Bei sechs bis acht von zehn Operationen im Bauchraum oder an den großen Gelenken genügen heute zwei oder drei Einstiche statt des großen Schnitts.

Doch in den herzchirurgischen Zentren sind solch schonende Eingriffe noch die Ausnahme. 1999 haben die deutschen Herzchirurgen knapp 100 000-mal am Herzen operiert; doch kaum fünf Prozent dieser Eingriffe können als schonend gelten. "Bislang kommen minimal-invasive Techniken nur bei ausgewählten Patienten infrage", sagt Hermann Reichenspurner vom Münchner Klinikum Großhadern.

Die Zahlen werden jedoch bald steigen. Kaum eine Klinik kann sich dem neuen Trend entziehen: 62 der 81 deutschen Herzzentren bieten bereits minimal-invasive Eingriffe an. Gleich zwei Probleme der herkömmlichen Operationstechnik sollen dabei gelöst werden: Um an das Herz zu gelangen, zersägen die Ärzte seit 30 Jahren das Brustbein und sperren dann auf einer Länge von 20 bis 30 Zentimetern den Brustkorb auf - was alles andere als schonend ist. Schon der Verzicht auf dieses Brachialverfahren verspräche geringeren Blutverlust und damit Bedarf an Transfusionen und würde den Operierten weniger Beschwerden bereiten. "Schmerzen nach der Operation sind mehr durch den Zugang bedingt als durch das, was wir am Herzen selbst tun", sagt Anno Diegeler vom Herzzentrum Leipzig.

Das zweite Sorgenkind der Herzchirurgie ist die "Herz-Lungen-Maschine": Sie pumpt das Blut durch den Körper, solange das Herz während der oft mehrere Stunden dauernden Operation ruhig gestellt wird. Doch auf den Kontakt mit den Schläuchen der Maschine reagieren die Blutzellen so, als gäbe es eine schwere Infektion im Körper: Sie produzieren Entzündungshormone. Diese Reaktion kann Komplikationen verschlimmern und ist vermutlich der Grund, warum bis zu fünf Prozent der älteren Patienten nach der Operation mit Herz-Lungen-Maschine neurologische Störungen aufweisen.

Tatsächlich scheint die Maschine in Wahrheit meist überflüssig zu sein. Das gilt vor allem für die Bypass-Operation, den bei weitem häufigsten Eingriff der Herzchirurgie. 75 Prozent der bislang mit Herz-Lungen-Maschine operierten Patienten haben Durchblutungsstörungen am Herzmuskel, weil Herzkranzgefäße verengt sind - was die Patienten als schmerzhafte Angina pectoris spüren. Diese Blockaden werden dann durch die Verlegung einer Brustarterie oder durch ein Stück Vene überbrückt. "Wir könnten wohl bei der Hälfte der Bypass-Operationen auf die Herz-Lungen-Maschine verzichten", schätzt Reichenspurner. Möglich machen das Hilfsgeräte, die am schlagenden Herzen einen Bereich des Muskels fixieren, sodass der Arzt in Ruhe operieren kann.

Die Erkenntnis, dass man auf die Herz-Lungen-Maschine bei vielen Patienten durchaus verzichten kann, hat bei den Chirurgen auch den nächsten Schritt inspiriert: die Suche nach besseren Zugangswegen zum Herzen. Eine Variante ist mittlerweile schon Routine: "Midcab" heißt das Verfahren, bei dem die Chirurgen das Brustbein intakt lassen und stattdessen - ohne Herz-Lungen-Maschine - durch einen knapp sieben Zentimeter langen Schnitt zwischen den Rippen operieren. "Das gibt uns genug Raum, um immer noch per Hand ohne Endoskope zu operieren", schildert Diegeler. Allerdings kommen die Ärzte durch den Spalt nicht an jedes Herzkranzgefäß heran.