Ursprünglich wollte die republikanische Innenministerin Katherine Harris nur noch die Stimmen aus Übersee abwarten, die bis Freitag Mitternacht eintreffen mussten, und dann am Samstag um 12.00 Uhr Ortszeit die Ergebnisse veröffentlichen. Die Ergebnisse der Handauszählungen in mehreren Bezirken wollte sie dabei nicht berücksichtigen.

Inzwischen wurde bekannt, dasss auch die Überseestimmen dem republikanischen Präsidentschaftskandidat George W. Bush nicht den erhofften Durchbruch brachten. Offensichtlich konnte er seinen ohnehin nur knappen Vorsprung vor dem Demokraten Al Gore geringfügiger ausbauen als erwartet. Nach einer Auswertung der Nachrichtenagentur AP führte Bush nach der Auszählung letzter Briefwahl-Stimmen in 65 der 67 Bezirke mit 760 Stimmen. Bush gewann 1.057 Stimmen hinzu, Gore 597.

Nach US-Medienberichten in der Nacht war fast die Hälfte der am Freitag auszuzählenden rund 2.500 Briefe aus Übersee nicht berücksichtigt worden - hauptsächlich deshalb, weil sie nach dem 7. November, dem Wahltag, abgeschickt worden waren. Gesetze schreiben vor, dass nur Briefwahl-Stimmen einbezogen werden, die bis oder spätestens am Tag der Wahl bei der Post abgestempelt worden sind.

Die Republikaner mussten am Freitag noch eine zweite Gerichtsniederlage einstecken. Ein Bundesberufungsgericht in Atlanta im Bundesstaat Georgia lehnte einen Antrag der Republikaner ab, aus verfassungsrechtlichen Gründen alle Handauszählungen zu stoppen. Die Republikaner hatten argumentiert, dass es für die Prüfung der Wahlkarten keine einheitlichen Regeln gebe und das Ergebnis daher verzerrt würde.

Unterdessen revidierte der Bezirk Miami-Dade am Abend eine frühere Entscheidung und beschloss eine Nachzählung aller 650.000 Stimmen per Hand. In Broward und Palm Beach setzten die Wahlhelfer ihre Handzählungen fort. Das Hauptaugenmerk in Palm Beach galt dabei Tausenden von Wahlkarten, die bei der maschinellen Erstauszählung wegen mangelhafter Markierung des gewünschten Kandidaten nicht berücksichtigt worden waren. Beobachter erwarten, dass Gore bei den Handauszählungen in den demokratischen Hochburgen deutliche Zugewinne machen könnte.