Die Tinte auf den Dokumenten war noch nicht trocken, da ahnten die Delegierten bereits, dass sie sich zu viel vorgenommen hatten. Die Befürchtung trog nicht. Kaum ein Land konnte aus eigener Kraft schaffen, was 1992 bei der Klimakonferenz in Rio mit großem Brimborium zur Rettung des Planeten beschlossen worden war: den Ausstoß an Treibhausgasen substanziell zu reduzieren. Die einen pusteten viel zu viel Dreck in die Atmosphäre, um die Vorgaben einzuhalten, andere Nationen, die beim Ausstoß besser dastanden, fehlte das Geld für weitergehenden Klimaschutz.

Inzwischen haben die Klimapolitiker die Not zur Tugend erklärt: Um das Ziel des Klimaschutzes zu erreichen, wurden die Treibhausgasemissionen zur handelbaren Ware erklärt. Diese Woche, bei der Klimakonferenz in Den Haag, sollen die Geschäftsbedingungen für das internationale Feilschen um die Klimakiller festgelegt werden. So, hoffen die Experten, könnte allen Staaten gemeinsam gelingen, was im Alleingang nicht zu schaffen ist.

In der Pflicht stehen vor allem die Industrieländer. Sie pusten die größten Abgasmengen in die Atmosphäre. Statistisch gesehen, verbraucht ein US-Bürger in einem Jahr so viel Energie wie ein Chinese in mehr als zwanzig Jahren. Doch das riesenhafte Reich der Mitte holt wirtschaftlich auf - und das wird sich auch auf den Energieverbrauch niederschlagen. So hat die chinesische Regierung beispielsweise als Zielvorgabe formuliert, in Zukunft jedem Haushalt einen Kühlschrank in der Küche zu ermöglichen.

Wenn aber in jeder chinesischen Küche gekühlt wird, heizt dies dem Klima noch mehr ein. Denn die Energie dafür will das Land aus den riesigen Kohlevorräten gewinnen, über die es verfügt. Wer will China die Nutzung dieser Energiequelle verbieten? Im Prinzip hat jeder Mensch dasselbe Recht, Treibhausgasemissionen zu verursachen. Aus dieser Einsicht entstand die Idee, aus dem nationalen Klimaschutz einen internationalen Handel mit den Treibhausgasen zu machen.

Verschoben werden in diesem Deal Dollars gegen Tonnen Treibhausgas. So darf ein Industrieland, das in einem anderen Land zum Beispiel klimaverträgliche Energiegewinnung unterstützt, die dabei erzielten Emissionsminderungen dem eigenen Klimabudget anrechnen. Ökonomisch scheint der Ablasshandel mit den Klimakillern plausibel. Denn mit einer in die Umwelt investierten Mark kann man in Deutschland weniger ausrichten als in einem Entwicklungsland. Auch wissenschaftlich gesehen geht die Rechnung auf. Denn für die Atmosphäre spielt es keine Rolle, wo das CO2 aus den Kaminen und Auspuffen raucht.

Das Prinzip der gemeinsamen Umsetzung und des handelbaren Klimaschutzes wird bereits seit 1995 in einer Pilotphase getestet. Für gut hundert Projekte fanden sich in den letzten Jahren Partner zusammen - ihre Projekte sollen zeigen, ob praktisch funktioniert, was theoretisch sinnvoll erscheint. Und dieser Testlauf ist es, der nun in Den Haag analysiert wird.

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