Der neue Kölner Regierungspräsident macht es möglich. Jürgen Roters genehmigt für die kommenden fünf Jahre das Handelstreiben auf dem Messegelände an Allerheiligen, das seinem Vorgänger Franz-Josef Antwerpes als "stiller Feiertag" stets heilig gewesen war. Konzilianter will der Zulassungsausschuss in Zukunft den jetzt ausjurierten Galerien gegenüber auftreten. Fingerspitzengefühl ist gefragt: Namhafte Londoner und amerikanische Galerien haben der attraktiven kurzen Messedauer wegen ihre Teilnahme (wieder) in Aussicht gestellt. Ob das erstmals in diesem Jahr angebotene Rotationsverfahren, dem freiwilligen Pausieren von langjährig präsenten Ausstellern zugunsten von Kollegen/Konkurrenten da Luft schaffen kann, ist fraglich - schließlich steht sich auch im Kunsthandel jeder selbst am nächsten.

Im besten Sinne vertraut, präsentierte sich die 34. Art Cologne mit 276 Galerien, davon 43 Prozent aus dem Ausland, auf 40 000 Quadratmetern auf zwei Etagen zwischen musealen Weihen (oben) und frecher Experimentierlust (unten).

Das Publikum allerdings rekrutierte sich vorwiegend aus dem regionalen Umfeld: "Kaum belgische Sammler, keine Amerikaner", so Vera Munro (Hamburg). "Extrem wenige Besucher aus den Niederlanden und der Schweiz", kommentiert Hans Mayer (Düsseldorf). Das war schon mal anders. Welche blühende Sammler- und Kennerschaft das Rheinland in der Nachkriegszeit hervorgebracht hat, zeigt die Ausstellung Wahre Wunder in der Kunsthalle - eine Schatzkammer verschiedenster Dinge - vom hellenistischen Frauenkopf bis zu Fotografien von Nan Goldin und Thomas Demand, Frottagen von Max Ernst, mittelalterlichen Stilleben von Claesz, Georg Flegel und illuminierten Handschriften. Solche engagierten Sammler hätten viele Aussteller gern an ihrem Stand gesehen, aber die Euphorie, der Kunstkauf als Kaufrausch blieb aus.

Es gab Ausnahmen: Karsten Greve (Köln) verkaufte eine Bodenskulptur von Carl Andre (420 000 DM), ein Relief von Jannis Kounellis (200 000 DM) und ein Gemälde von Cy Twombly (1,2 Millionen DM). Bei Michael Werner (Köln) fanden vier mit Goldstift beschriebene rote Seidenpapierarbeiten von James Lee Byars (75 000 DM) einen Liebhaber sowie Skulpturen von Lucio Fontana und Hans Arp.

38 Arbeiten zumeist aus dem Spätwerk von Ernst-Ludwig Kirchner verkaufte Henze + Ketterer (Bern) am Vernissageabend, davon 28 Aquarelle, Zeichnungen und Tuschen (18 000 bis 65 000 DM) sowie zehn Ölgemälde im Wert von 300 000 bis 950 000 DM, fast wie im Ausverkauf. Zehn Jahre Aufbauarbeit der Generation der so genannten Becher-Schüler hat sich für Wilma Tolksdorf (Frankfurt) ausgezahlt: Bereits am ersten Abend waren alle Fotoarbeiten von Candida Höfer, Jörg Sasse, Axel Hütte und Thomas Ruff ausverkauft. Fotografie als Kunst hat sich etabliert: das war überall zu sehen.

Figurative Malerei hatte ebenfalls ihre Kauffreunde: Michael Schultz (Berlin) reüssierte mit drei Gemälden von Markus Lüpertz (40 000 bis 195 000 DM), 15 Arbeiten von A. R. Penck (8500 bis 60 000 DM) und sage und schreibe 25 Bildern der 47-jährigen Cornelia Schleime (2800 bis 42 000 DM). Wie weggefegt waren die "sensations" der jungen Briten - kein einziger Galerist hatte einen Damien Hirst mehr im Gepäck - dafür aber ließ sich mit den Nominierten des Preises der Nationalgalerie Berlin für junge Kunst (100 000 DM) gut spekulieren: Skulpturen von Manfred Pernice wurden von sechs Galerien angeboten. Von Katharina Grosse,fünffach vertreten, verkaufte Sfeir-Semler (Hamburg) fünf mittlere Formate und eine große Farbfeldmalerei (8 400 bis 22 000 DM). Der Galerie nächst Sankt Stephan ( Wien ) bemalte Grosse eine Standwand (50 000 DM).

Wie die bloße Nominierung eines Künstlers für ein Großereignis den Markt in Bewegung bringt, zeigt das Beispiel vonGregor Schneider. Der Künstler, Jahrgang 1969, baut seit seinem 16. Lebensjahr ein Haus im rheinischen Rheydt in der Art des Merz-Baus von Kurt Schwitters um. Nun wurde er als Künstler für den deutschen Biennale-Pavillon in Venedig für 2001 benannt - und das scheinbar Unverkäufliche wird zur Handelsware, Tendenz steigend.