Na ja. Andererseits handelt es sich doch hier um Lothar-Günther Buchheim, den guten alten Buchheim, jawohl, dem wir Das Boot verdanken und den Film, der dann auch Das Boot hieß, und das haben wir nicht vergessen. Buchheim hat das natürlich auch nicht vergessen, und darum gibt es jetzt dieses Buch, und das haben wir nun davon.

Noch einmal will er eine Reise mit dem Alten machen, dem Kommandanten auf U-96 (siehe oben), der als Kapitän auf der Otto Hahn fährt, und da quartiert sich Buchheim ein für einen sechs Wochen langen Törn nach Durban in Südafrika. Mit dabei hat er einen Fotoapparat und eine Menge Filme, die er gleich in den Kühlschrank packt, wo er sie dann Stück um Stück wieder herausholt und verknipst. Und mit dabei hat er einen Haufen weiße Blätter, die er alle beschreiben will, damit es ein Buch von 559 Seiten wird, auf dem dann wieder seinem Verleger zuliebe (jaja, die Verleger) das Wort Roman steht, obwohl es doch nur eine Reportage sein wird.

Meint Buchheim. Denn eine wirkliche Reportage ist es nun leider nicht geworden, dafür ist es einfach zu langweilig, denn es ist auf jeden Fall das langweiligste 559-Seiten-Buch, das seit langem erschienen ist. Aber das verlangt vielleicht auch Respekt, ich meine, ich habe es gelesen, wie muss es dann erst gewesen sein, als es geschrieben wurde?

Da sitzt also der gute alte Buchheim auf der guten alten NS Otto Hahn und, richtig, N steht für Nuklear, und das wissen wir alle noch, dass das das einzige atomgetriebene Schiff unter deutscher Flagge war, und das ist dann ja wohl für die meisten von uns auch so ziemlich das einzige, was wir schon immer über die Otto Hahn wissen wollten.

Nicht für Buchheim. Der ist nun mal auf diesem Schiff mit dem Griffel in der Hand und will alles ganz genau wissen, vom Abluftmast und dem Abblasebehälter bis zur Kugelschleuse und am liebsten der ganzen Kernspaltung. Der Leitende Ingenieur, hier nervender Weise ständig "der Chief" genannt, muss ihm (und uns) alles erklären, und dann sagt Buchheim "Klar wie Kloßbrühe", und wir sagen gar nichts mehr.

Vor allem aber hat es ihm der SB, der Sicherheitsbehälter im Reaktor, angetan, in den er hinein möchte, als wär es Blaubarts Zimmer. Aber als er endlich drin ist, ist es einfach eng, heiß und still, und alles Weitere muss Sache der Fantasie bleiben beziehungsweise vom Chief referiert werden. Zumeist klingt das dann wie die Stoffsammlung zu einer Gebrauchsanweisung für Nuklearschiffe, und dabei haben wir doch noch nicht einmal die für unseren Videorecorder ganz begriffen. Aber wie sagt der Chief dann immer? "Hinnehmen, einfach hinnehmen."

Nein, beschreiben ist Buchheims Stärke nicht, und so, dass auch uns etwas unter die Haut ginge, schon gar nicht. Als er an Bord kommt, heißt es: Ich könnte vor lauter Glück zerfließen, und wir nehmen's zur Kenntnis; er ist bis in die Nervenspitzen erregt, seine Gedanken rennen dahin wie eine Meute Jagdhunde - tja, denken wir, so oder ähnlich wird es wohl gewesen sein.