Die seriösere Tagespresse macht heute zum Teil mit den Nachrichten vom kleinen CDU-Parteitag in Stuttgart auf: "CDU macht Patriotismus zum Wahlkampf-Thema", titelt die "Süddeutsche Zeitung"; "Kanzler-Kandidatur läuft auf Merkel zu", die "Frankfurter Rundschau". Die "Welt" hingegen müht sich weiterhin, den Worten ihres Herrn Gehör zu verschaffen: "Kohl spricht von 'öffentlicher Hinrichtung'", lautet die titelprägende Quintessenz aus dem nachfolgenden Vorabdruck des "Tagebuchs" des Altkanzlers. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" verkündet auf der Eins: "Landwirtschaftsminister Funke will BSE-Test für alle älteren Rinder" sowie "Schröder lehnt Schlauchs Vorschlag zum Tarifrecht ab". Das "Handelsblatt" sorgt sich naturgemäß um die Geldbörse ihrer Leser: "Post-Aktie startet kraftlos" - eine Meldung, die auch alle anderen Zeitungen zumindest unter dem Seitenbruch des Titelblatts bringen.

CDU-Parteitag

Viel zu berichten gibt es vom CDU-Parteitag in Stuttgart nicht. Die Bildungspolitik, eigentlich als Topthema auerkoren, fiel weitgehend unter den Tisch. Dafür aber wählten die Deligierten den Nordrhein-Westfalen Laurenz Meyer mit einer satten Mehrheit von 99 Prozent zum kommissarischen Generalsekretär der Partei. Außerdem lauschten sie ergriffen der Rede von CDU-Chefin Merkel. Sie warf der Regierung allerhand Versagen in der Wirtschafts- und Sozialpolitik sowie (Achtung: "Leitkultur"!) ein gestörtes Verhältnis zum Vaterland vor. In dem Kommentar des "Handelsblatt" heißt es dazu, die Rede sei "ohne Profil" gewesen. Merkel habe sich mit "Kulturkampfrethorik" und "schönen Sentenzen, gegen die niemand etwas einwenden kann" an den entscheidenden Fragen vorbeigemogelt. Als da wären: "Wie könnte ein zeitgemäßes Tarifsystem aussehen? Welche Zukunft hat die Mitbestimmung im Zeitalter der 'New Economy'? Wieviel Kündigungsschutz will sich Deutschland angesichts eines Millionenheers von Arbeitslosen leisten?". Auch die "Süddeutsche Zeitung" tadelt in einem Hintergrundartikel auf der Drei die Substanzlosigkeit der Reden von Merkel und Meyer (Headline: "Angreifen, egal wie"), amüsiert sich aber wenigstens über die Formulierungen, die dabei fielen. Meyer zum Beispiel, schreibt SZ-Autor Kurt Kister, machte mit dem Satz "Wir brauchen gemeinsam, dass der Ruck, der sich gefunden hat in den letzten Monaten, sich jetzt festsetzt" auf sich aufmerksam. Merkel hingegen, so Kister, lebe immer häufiger ihre Lust am Reimen aus. "Öd, öder, Schröder", habe sie dem Kanzler entgegen geschmettert. "An anderer Stelle", schreibt Kister weiter, "befand sie: 'mehr Ludwig Ehrhard als Schröder Gerhard'. Nicht direkt Ringelnatz, aber an Laurenz Meyers Stammtisch wird man es verstehen".

Spannender als die Reden war offenkundig die Frage, wie der Parteitag mit ihrem Altkanzler umgehen würde, der nun täglich in der "Welt" seine Endabrechung in Sachen Parteispendenaffäre und neuer CDU-Führung vorlegt. Die "Frankfurter Rundschau" führt in einem Hintergrundartikel auf der Drei ("Lies nicht in den Schmuddelblättern") aus, dass die Deligierten Kohls Auslassungen zwar lasen, aber offiziell kein Wort darüber verloren. In dem nebenstehenden Kommentar heißt es dazu: "Dieser kleine CDU-Parteitag hat sich redlich und nicht ohne Erfolg bemüht, aus dem Schatten des großen 'Alten' herauszutreten". Derselbe Befund findet sich im Titel-Kommentar der "Frankfurter Allgemeine Zeitung": Die CDU schaffe es offenbar, "sich von der Affäre zu lösen". Was bedeuten bekönnte, dass Helmut Kohl dasselbe Schicksal wie Oskar Lafontaine ereilt: Irgendwann hört einfach keiner mehr zu.

Postaktie

Größere Aufmerksamkeit dürfte hingegen der Kurs der Post-Aktie genießen, die gestern in den Handel kam. Sie fiel zeitweilig unter den Ausgabekurs von 21 Euro, stieg dann aber, dank der Sützungskäufe der Konsortialbanken, wieder auf 21,65 Euro. Das sei psychologisch wichtig gewesen, ist dem "Süddeutsche Zeitung"-Kommentar zu entnehmen: "Für die junge Aktienkultur in Deutschland ist es wichtig, dass vermeintliche Volksaktien wie eben das Papier der ehemaligen Bundespost nicht floppen". Auf einen weiter steigenden Kurs mag allerdings keine Tageszeitung wetten - "Abwarten!" rät selbst die "Bild". Was die Regierung mit dem Emmissionserlös (4,3 Milliarden Euro) machen will, steht nach Angaben des "Handelsblatt" dagegen schon fest: "In der SPD-Fraktion hieß es", steht im Aufmacher, "die Einnahmen würden zur Finanzierung der Pensionskasse der ehemaligen Postmitarbeiter dringend benötigt". Das wird Finanzminister Eichel wahrscheinlich nicht gefallen.

BSE-Tests