Die Themen des Tages sind jedoch andere. Große Sorgen macht man sich die deutsche "Autoperle" ("Bild") Daimler-Chrysler. Angeblich dank des Missmanagements der Amerikaner sieht es schlecht aus um den Konzern, was "Handelsblatt" und "Bild" zu einer seltenen Einigkeit treibt. "Chrysler droht Milliardenloch" titeln die Düsseldorfer, "Angst um Mercedes" schreibt das Boulevardblatt. Die "Frankfurter Rundschau" titelt "Brüssel fordert aktive Einwanderungspolitik" und "Den Beifall der Arbeitgeber heimste doch der Kanzler ein". Auch der "Tagesspiegel" macht mit eigenen Themen auf: "CSU warnt CDU vor Alleingang". Die Bayern hätten es wohl schon gern, wenn Eduard Stoiber im Jahr 2002 von den Wahlkampfplakaten lacht. Gar nicht mehr lustig ist der Skandal um die BSE-Seuche. "Schleichender Wahnsinn trotz BSE-Schnelltest" schreibt die "Taz", "Krisensitzung der Agrarminister am 4. Dezember" die "Frankfurter Rundschau". Die "Welt" titelt: "EU will mit Schnelltests Rinderwahnsinn stoppen.". Die "Süddeutsche Zeitung" sieht durch die BSE-Krankheit gar innenpolitischen Ärger heraufziehen: "Kampf gegen BSE entfacht neuen Koalitionsstreit."

Der reine Wahnsinn

Da biss doch vor ein paar Jahren ein englischer Landwirtschaftsminister vor laufender Kamera in ein Rindfleisch-Brötchen, um zu demonstrieren, wie sauber das englische Beef sei. Der Minister ist weg, das Problem noch lange nicht. Seit Jahren bekannt, schleicht BSE immer wieder durch die Schlagzeilen, und das, wo doch angeblich seit Jahren keine Gefahr mehr besteht. Nun gibt es offenbar doch eine Bedrohung, sonst bräuchte man ja keine Tests. Schon gar keine Schnelltests, die Jungtiere auf die tödliche Krankheit überprüfen. "Dass BSE sich aber überhaupt zu einer Seuche dieses Ausmaßes entwickeln konnte, liegt an der Schlamperei der Politik", schreibt dann auch die "Welt". "BSE macht vor keiner Grenze halt: Da wünschen dich die meisten Verbraucher dringend eine gemeinsame Strategie", meint die "Süddeutsche Zeitung". Doch bisher habe die EU-Staaten wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen reagiert. Die Engländer beleidigt, weil ihr Fleisch schlecht sein soll, Franzosen panisch und die Deutschen entschlossen unentschlossen. Jetzt gibt es einen Test, doch der ist, so die "Taz", völlig sinnlos. "Die BSE-Epidemie in Großbritannien hat gezeigt, dass die Tiere durchschnittlich fünf Jahre alt sind, bevor eine Infektion nachweisbar ist, weil Symptome auftreten." Doch getestet werden Tiere ab einem Alter von 30 Monaten. "So lässt sich am Ende nur feststellen, dass die Landwirtschaftsminister und die Fleischindustrie nicht mehr beschlossen haben, als ihren Slogan zu wechseln. Bislang hieß der: Da wir BSE-frei sind, brauchen wir keine Tests. Heute lautet er: Testen wir, was das Zeug hält, dann können wir erfolgreich so tun, als wären wir BSE-frei," so die "Taz".

Das Ende von Schrempp?

"Daimler ist jetzt ein Schnäppchen", zitiert die "Bild" einen Börsenhändler. Der Rat richtet sich allerdings weniger an Kleinanleger. Der Experte warnt eher vor einer drohenden Übernahme des schwäbischen Musterkonzerns. Kauft "Rover" etwa aus Rache nun Mercedes? So abwegig wie das klingt, scheint es gar nicht. Die verlorenen US-Milliarden des Chrysler Konzerns machen der Aktie und dem Vorstand in Deutschland schwer zu schaffen. "Schrempp hat das damalige Management im Wesentlichen im Amt gelassen, und Schrempp hat die nun revidierten Gewinnprognosen zu verantworten." Beschreibt das "Handelsblatt" die unangenehme Situation des Daimler-Chefs. Auch die "Welt" sieht Daimler-Crysler in schweren Turbulenzen, doch Unternehmensberater Roland Berger beschreibt dort vor allem kurzfristige Probleme: "Das strategische Potenzial, das in diesem vier Unternehmen steckt (...) ist phänomenal." Ob das aber alle so sehen? Die "Bild" jedenfalls macht sich Sorgen, denn " ...78% (der Aktien) stecken in Fonds und Kleinanlegerdepots." Und sind damit leicht für feindliche Übernahmen zu haben, wie das Beispiel Mannesmann gezeigt hat. Es wird also spannend in den nächsten Wochen. Für das "Handelsblatt" steht jedenfalls fest: "Der Daimler-Chef hat das fröhliche Eingeständnis, bei dem niederländischen Flugzeugbauer Fokker Milliarden versenkt zu haben, unbeschadet überstanden. Bei Chrysler wird das nicht der Fall sein."

Sagen Sie, Herr Minister,...

Wie gut, dass es immer noch Menschen gibt, die ein offenes Wort an andere richten. Wie gut, dass es die "Berlin vertraulich"-Kolumne in der "Bild" gibt: "Wir müssen uns einmal sprechen." Was wie die Aufforderung einer zornigen Mutter an ihren missratenen Sohn klingt, stammt von "Bild"-Kolumnist Graf Nayhauß. Der Angesprochene ist Joschka Fischer, seines Zeichens Außenminister. Ort der Handlung: Der Empfang der Diplomaten in Berlin. Nachdem der Graf den Minister zur Seite gezerrt hat, kommt die gewichtige Frage: "Ihre vierte Ehe soll nun auch zu Bruch gegangen sein." Fischer dementiert genervt, doch der von der Leine gelassene Investigativ-Graf insistiert: "Sie können die Wahrheit sagen. Dann kann man mit einem Journalisten ein Stillhalteabkommen vereinbaren." Das wollte Fischer offenbar nicht, sonst wären die "Bild"-Leser um diese schöne Lehrstück in Sachen Journalismus gebracht worden.