Die traurige Nachricht: Dass Klimmt nicht länger im Kabinett bleiben konnte, war längst vor dem formellen Erlass des Strafbefehls gegen ihn klar. Das unentschlossene, orientierungslose Hin-und-Hertapsen in dieser Affäre hat ihn noch mehr beschädigt, als dies eine kurze, klare Entscheidung getan haben würde. (Und – das nebenbei: Wer die Affäre um die 615 000 Mark, die ein Caritas-Direktor an den 1. FC Saarbrücken verschoben hatte, weit vor jeder strafrechtlichen Konsequenz ein wenig deutlicher studiert hatte, hätte Klimmt mit dieser Hypothek gar nicht erst in die Bundesregierung berufen dürfen; und er hätte diesen Ruf nicht annehmen, den Kanzler jedenfalls nicht ohne intime Warnung lassen dürfen.)

Nun die schlechte Nachricht: Sie betrifft die Unfähigkeit von Regierungs-, Fraktions- und Parteispitze beim Krisenmanagement. Und peinlicher noch als die Pannen im Detail war die Grundeinstellung "en gros": Die Herren Schröder, Struck und Müntefering waren nämlich so sehr von der wirklichen Welt abgehoben und in sich selbst versponnen, dass sie sich folgendes einbildeten: Wenn nur wir selber der Meinung sind, die Sache Klimmt lasse sich nach Motto "Strafbefehl einkassiert, Affäre ausgesessen" überstehen, wird der Rest der Welt nicht anders denken. Eine solche Haltung ist der Anfang von der Arroganz der Macht. Arrogant und töricht zugleich – das ist aber das baldige Ende der Macht. So glaubte der Dreier-Zirkel zunächst, er könnte der SPD-Fraktion erzählen, Klimmt habe den Strafbefehl akzeptiert – basta! – , und dann herrsche Schweigen im Walde. Also riet der Fraktionsvorsitzende Struck, Klimmt solle den Strafbefehl ohne Widerworte und Konsequenzen annehmen. Dann riet Struck zum Gegenteil: Ablehnen und offensiv kämpfen. Und dann erkannte er endlich: Alles Quatsch, zu kämpfen gibt es nichts. Und Kanzler Schröder fuhr die Grünen-Sprecherin Künast an, es sei unanständig, Klimmts Rücktritt zu fordern. War denn nun auch die Annahme des Rücktritts durch Schröder selber unanständig?

Und nun die gute Nachricht: Nachfolger wird Klimmts Parlamentarischer Staatssekretär Bodewig. Voreiliger Vorschusslorbeer für den Mann? Nein, denn das Gute an der Nachricht liegt allein in der Tatsache, dass dies einer der ganz seltenen Fälle ist, in denen die Institution des Parlamentarischen Staatssekretärs sachgerecht verstanden wurde: als die Möglichkeit für einen "Juniorminister", sich auf höhere Aufgaben vorzubereiten. Sonst wurden ja viel öfter Leute zu "Parlamentarischen" gemacht, weil sie gerade nicht für höhere Ämter taugten. Allerdings: In diesen Fällen stand das Urteil von Anfang an fest – in diesem richtigen Fall muss es sich erst noch als richtig erweisen.