Warten wir einmal ab, wie der verfassungsgerichtliche Streit um diese Zwangsaktion, die nicht so recht zu einem weltanschaulich nicht nur ignorant-neutralen, sondern ja wohl auch religiös rücksichtsvollen Staat passt, entschieden werden wird. Der Zwang, sich ein innerlich abgelehntes weltanschauliches oder religiöses (oder anti-religiöses) Symbol verpassen zu lassen, gehört ja wohl eher zu den beiden "Vorgängerstaaten" der Bundesrepublik des Grundgesetzes.

Festgehalten werden soll hier zunächst nur der von Juristen und Beamten gepanzerte Opportunismus unseres Staates gegenüber den uns wirklich oder scheinbar Fremden. Wenn es uns passt (und wir Musliminnen nicht als Lehrer an Schulen haben wollen), heißt es: Kopftuch runter! Wenn es uns passt (und wir bestimmte Musliminnen nicht im Lande haben wollen), dann heißt es: Kopftuch rauf!

Natürlich, jeder dieser Fälle hat seine eigene Natur und rechtliche Problematik. Aber wenigstens auf der Ebene des spontanen Betrachters sollte es einleuchten, dass es für die Ähnlichkeiten in den Fällen ein wenigstens ähnliches Kriterium staatlichen Handelns gibt. Einem Christen jedenfalls würde das Tragen eines Ansteckkreuzes weder in der Schule verweigert - noch in der Photozelle des Polizeireviers aufgezwungen.

Übrigens: Die beiden Frauen erhalten wohl Aufenthalt in den USA - ohne Kopftuch auf dem Passphoto. Jetzt müssen wohl neue Pässe gefertigt werden, weil die unter Polizei-Zwang gefertigten ja gar nicht zeigen, wie die Frauen wirklich aussehen. Und: Wer bezahlt für die Photos - sowie für die polizeilich beschafften Kopftücher? Ein Fall für den Rechnungshof - und die Asservatenkammer.