CLAUS:
Also die Debatte über die Nation ist in der Linken in der Tat ein schwieriges Thema. Das ist über Jahrhzehnte entweder debattiert oder verschoben worden, und wir kommen da auch nicht drum herum. Was Gabriele Zimmer auf dem Parteitag zunächst wollte, war etwas anderes. Sie wollte die PDS ganz ausdrücklich ermuntern, den Weg zur Öffnung gegenüber der Gesellschaft konsequenter als bisher fortzusetzen. Und deshalb hat sie den Deutschland-Begriff sowohl mit Zuneigung als auch mit Dingen, denen sie nicht zugeneigt ist, besetzt und hat das mal ausgesprochen. Und die Linke - auch die PDS - muss es zunächst verstehen, die Gesellschaft nicht als eine Art Feindbild zu begreifen. Wir leben in dieser Gesellschaft; wir sind Teil dieser Gesellschaft, die wir verändern wollen. Da ist zunächst der Anspruch. Dann steht uns in der Tat im Zusammenhang mit dem Thema 'Zuwanderung', bei Bewahrung des Asylrechtes, wie wir es fordern, doch auch eine solche Debatte ins Haus. Aber die muss, glaube ich, gründlicher vorbereitet werden, auch in den Reihen der Linken und der PDS selbst.

Ist die PDS besser vorbereitet als die West-Linke, ein entkrampftes Verhältnis zur Nation zu gewinnen?

Wenn Sie mit West-Linke sozusagen die neben oder vor der PDS existierende Bewegung meinen, will ich da mal überhaupt keine Wertung vornehmen, aber es ist natürlich durch die stärkere gesellschaftliche Verankerung von Mitgliedern der PDS - sie ist ja im Osten eine Volkspartei - möglicherweise leichter sich diesem Thema unverkrampft, also auch offener zu nähern.

Wie ist denn Ihre persönliche Definition von deutscher Nation?

Das ist mir im Moment in der Tat ein Stück zu hoch gegriffen. Also ich lebe in diesem Deutschland, es ist mein Umfeld. Ich hab’ dazu auch ein unverkrampftes Verhältnis. Ich sitze nicht - wie manche andere - vor dem Fernseher, wenn die deutsche Nationalmannschaft Fußball spielt und warte, dass die anderen gewinnen. Ich kann mich auch für diese Mannschaft freuen, aber da muß sie auch gut spielen - sag ich mal. Das ist ja nicht immer so der Fall. Es ist also in der Tat unverkrampft und ich bemühe mich auch sehr darum, dass der Kontakt der PDS zu möglichst vielen gesellschaftlichen Schichten, Gruppierungen, aktiviert wird. Das hat überhaupt noch nichts damit zu tun, dass man sozusagen, den anderen seine eigenen Konzepte aufdrängen will oder die Meinung von anderen übernehmen will, sondern zunächst geht es darum, dass es auch ein unverkrampftes Verhältnis in bezug auf Sozialistinnen und Sozialisten als etwas normales in der Bundespolitik gibt.

Ist es für Sie Zufall, dass im zehnten Jahr der deutschen Einheit nun wieder diskutiert wird über den Begriff der Nation, über Leitkultur? Sie haben haben eben analysiert, wie das Verhältnis der Linken zu diesen Begriffen ist. Wollen Sie selber diese Diskussion vorantreiben, forcieren, weil Sie es für eine wichtige Diskussion halten oder halten Sie es für eine nebensächliche?

Na, das ist weder nebensächlich noch wird es von uns maßgeblich zu forcieren sein. Es ist ja zunächst angestoßen worden von der Union und wir haben mitbekommen, dass es auch in der Union gegen den von mir als unselig empfundenen Begriff 'Leitkultur' Widerstände gibt...