Frage: Wir haben ja jetzt ein paar Monate hinter uns, in denen die ganze Euphorie über den sog. 'Neuen Markt' und auch Internet-Firmen im weiteren Sinne ziemlich zum Erliegen gekommen ist, in denen es viele Pleiten gab, viele Hoffnungen auch von Aktionären enttäuscht wurden und es heißt inzwischen, dass diese alte Trennung zwischen 'Old Economy' und 'New Economy' sei eigentlich überholt. Wer wird in Zukunft der Teil der Wirtschaft sein, der das Geschäft macht?

Neef: Also was jetzt passiert ist, in den letzten Monaten - und wir stecken ja noch mittendrin, ist natürlich eine richtige Rüttelstrecke, eigentlich eine Säuberungsaktion, kann man auch sagen, die völlig normal ist und eigentlich viel zu spät gekommen ist. Es gab eine unglaubliche Euphorie und jeder, der irgendwie seinen Namen akkurat schreiben kann und einen Businessplan vorlegen kann, der wurde mit Geld, mit Millionen überschüttet und Hauptsache, er war auch noch jung genug. Auf einmal galten die Gesetze, die ja seit Jahrhunderten, eigentlich seit Jahrtausenden gegolten haben, die der klassischen Betriebswirtschaft: Umsatz und Gewinn - das sollte auf einmal alles ad acta gelegt werden und nicht mehr gelten, sondern die sogenannten 'burn-rates', das heißt die Rate, mit der ich pro Monat mein Geld raus haue, quasi verbrenne. Je größer das war, zum Beispiel durch Marketing, desto höher bin ich in den Medien eigentlich gelobt worden. Ich denke, wir kommen jetzt langsam wieder zum normalen Alltag zurück, das heißt, die Betriebswirtschaft gilt. Eins und eins ist halt doch zwei! Es werden hier ganz klar die gewinnen, die von vornherein auf Substanz gesetzt haben und klare Zielsetzungen haben, auch natürlich einen langen Atem haben und sich in ihrem Geschäft genau auskennen. Ich glaube, die Großen kommen jetzt mit großer Verspätung, die große Industrie, um hier wirklich Fuß zu fassen. Da wird einfach deutlich, dass sie das, was sie auch groß gemacht hat, hier gewinnbringend einsetzen können. Und ich glaube, wer da die Balance schafft (zwischen altem Know-How und neuen Möglichkeiten) - der wird da gewinnen.

Frage: Vielleicht haben Sie selbst nur zufällig die richtige Wahl intuitiv getroffen, in diesen Bereich des ganzen e-Geschäfts reinzugehen, dass Sie sich gar nicht erst bemühen, bei den verlustträchtigen Anbietern zu sein, die versuchen zu verkaufen, wo der Markt einfach im Netz noch nicht da ist. Also Sie machen das Know-How für diejenigen, die dann das Risiko eingehen, da irgendetwas aufzubauen.

Neef: Klar, man kann es auch plastischer noch sagen: Bei den Goldgräbern haben auf jeden Fall immer die gewonnen, die die Schaufeln gemacht haben, für die, die nach Gold gegraben haben. Das ist natürlich genau der Grund, warum unser Unternehmen jetzt hier so ein riesiges Potential hat. Es gibt heute keine Industrie, keinen Konzern mehr - zumindest ist mir keiner bekannt - der nicht das Internet als seine zentrale Zukunftsstrategie erkannt hat, also als einen zentralen Bestandteil...

Frage: ... bei dem man aber auch augenblicklich noch unheimlich viel Geld verliert - in diesem 'Internet-Grab'. Es gibt Erhebungen, dass 70 Prozent der Gelder, die die Firmen da investieren, im Moment den Bach runtergehen. Dass das alles nur das Potentielle ist, das, was kommen könnte, was sie da weitertreibt.

Neef: Richtig, zumindest in Teilen richtig. Ich würde jetzt nicht von Geld 'verlieren' sprechen, sondern eher von investieren. Sie müssen, bevor Sie ernten, sähen. Und das passiert jetzt. Und viele haben gedacht, sie können gleichzeitig ernten und sähen - das geht natürlich nicht! Das ist natürlich auch der Grund, warum hier jetzt viele auf die Nase gefallen sind, weil sie einfach mit von vornherein falschen Prognosen, die eigentlich gar nicht aufgehen können, nach draußen gehen und sich dann wundern wenn das nicht aufgeht...

Frage: ... aber ist denn die Ernte so sicher?