Weil die Nacht mit Ellie für Levenson aber ungewöhnlich befriedigend gewesen war, er außerdem so pleite war, dass er ein Gratisrührei nicht ausschlagen konnte, begleitete er Ellie zu ihrem Ehemann. An diesem Morgen entdeckte Larry Levenson eine neue Welt. Wenige Monate später war er ihr König.

Im September 1977 eröffnet Levenson an New Yorks Upper West Side den Swinger-Club Plato's Retreat; kurz zuvor hatte zwanzig Blocks weiter Steve Rubell erstmals die Samtkordel vor seinem Studio 54 aufgespannt. Beide Orte werden innerhalb weniger Wochen weit über die Stadt hinaus bekannt, beide werden zum Symbol einer neuen Zeit: Vietnam war vorbei, das pazifistische Engagement der Jugendkultur war erschöpft. Statt zu kämpfen - im oder gegen den Krieg - wollte man feiern. Studio 54 und Plato's Retreat waren die extremen Ausprägungen dieses Wunsches: Die Diskothek überhöhte die Party zur glamourösen Inszenierung, der Sexclub machte sie zum fleischlichen Fest.

Wie sehr Plato's diese neue sexuelle Hochstimmung symbolisiert, zeigt Spike Lees jüngster Film Summer of Sam. Die Hauptfigur, ein italienischstämmiger Friseur, erlebt im temperaturmäßig und erotisch aufgeheizten Sommer des Jahres 1977 eine Reihe sexueller Abenteuer - nett, aber nicht aufregend. Als ihm nach etwas nie Dagewesenem zumute ist, lässt Lee ihn Plato's Retreat besuchen (ungeachtet dessen, dass der Club erst im Herbst jenes Jahres eröffnet wurde). Wenn die Kamera auf das Türschild schwenkt, geht durch New Yorks Kinosäle ein wissendes Lachen.

Vom ungeheuren Erfolg seines Clubs, der den ehemaligen McDonalds-Angestellten Larry Levenson zu einer Ikone machen sollte, ahnt dieser nichts, als er am 23. September 1977 die Türe seines Etablissements aufsperrt. Es ist ein verregneter Tag, die Handwerker sind nicht fertig geworden. Achtmal hat er inzwischen versucht Swinger-Clubs zu etablieren; jedes Mal haben die Behörden von den unglaublichen Zuständen Wind bekommen oder die Vermieter von den noch unglaublicheren Gewinnen, an denen sie beteiligt werden wollten.

Nun stand Levenson im Keller des stattlichen, wenn auch etwas heruntergekommenen Ansonia-Gebäudes am Broadway und zitterte, ob er sich mit seiner 1700-Quadratmeter-Spielwiese nicht übernommen hatte. Wie er später gern erzählte, öffnete er Punkt acht Uhr die schwere Metalltüre - und war fassungslos: Die Schlange der Tauschwütigen reichte um den gesamten Block.

Mussten sich Swinger bis dahin nach umständlichen Terminvereinbarungen in Privatwohnungen treffen - dank Plato's konnten sie ihre Tauschgeschäfte nun nicht nur unkompliziert abwickeln, sondern sie geradezu zelebrieren.

Zwischen 40 000 und 50 000 Dollar hatte nach Levensons Angaben ein stiller Teilhaber investiert, um "den schönsten Swinger-Club der Welt" zu schaffen: 1000 Quadratmeter Spiegel reflektierten dort Dinge, die so öffentlich noch nie gesehen wurden, die Nebelmaschine pustete einen gnädigen Schleier über die schönen und nicht so schönen Nackten auf der Tanzfläche, das Geblubber des Whirlpools übertönte das Stöhnen von bis zu 60 Lustschwimmern, extraweiche Matratzen ließen die Körper von Lastwagenfahrern und Lehrerinnen, von Postboten und Pornosternchen versinken. "Wir haben an nichts gespart", brüstete sich Levenson oft.