Am DONNERSTAG türmen sich mal wieder die Termine. Seit dem Sommer bekomme ich so viele Einladungen und Interviewanfragen, ich könnte eigentlich 24 Stunden am Tag nichts anderes machen. Ich muss gleich morgens nach Berlin zu einem Gespräch der Heinrich-Böll-Stiftung. Es geht um den Umgang mit Gewalt und Rechtsradikalismus. Und wenn ich schon mal da bin, besuche ich abends eine ähnliche Veranstaltung der Bonhoeffer-Gesellschaft. Parallel dazu findet in Eberswalde eine Gesprächsrunde statt, zu der der 3sat-Film Überleben in Eberswalde gezeigt wird. Aber da ich mich nicht zweiteilen kann, wird mein Stellvertreter hingehen müssen.

FREITAGmorgen setze ich mich zu Hause in Basdorf in aller Frühe ins Auto, um nach Berlin zum Bahnhof zu fahren. In Bad Hersfeld organisiert ein ökumenischer Verein ein Seminar: Gewalt sehen - Überwinden - Aber wie? Obwohl das bestimmt ziemlich anstrengend wird - jeden Tag Gesprächsrunden bis tief in die Nacht -, freue ich mich drauf. Meine Kollegin Almuth Berger, die Ausländerbeauftragte des Landes Brandenburg, kommt auch mit. Ich bin schon lange in der Kirche engagiert, da freue ich mich, wenn ich auf solchen Tagungen alte Mitstreiter treffen und meine Arbeit auch mal von einem anderen Gesichtspunkt betrachten kann.

Wenn das Wetter schön ist, unternehme ich vielleicht am SONNTAG einen Herbstspaziergang in der Umgebung. Ich habe mein Handy zwar immer dabei, hoffe aber, dass mich niemand außer meinem Mann oder meinen Söhnen darauf am Wochenende anrufen. Denn wenn die Kollegen anrufen, heißt das meist nichts Gutes.

Am MONTAG steht ein normaler Verwaltungstag an. Keine besonderen Termine, das ist wirklich eine Ausnahme, denn wenn sonst tagsüber nichts ist, bin ich meist abends noch unterwegs, beim Lions Club, bei der Amadeu-Antonio-Stiftung oder anderen Vereinen. Wir besprechen morgens die Vorfälle des Wochenendes.

Im letzten Jahr sind die rechtsextremen Vorfälle im Polizeipräsidium Eberswalde, das ja vom Rande Mecklenburgs bis nach Berlin reicht, zurückgegangen. Auch in Eberswalde gibt es keine offene rechtsradikale Szene mehr. Am Nachmittag stehen ein paar Interviews an. Seitdem klar ist, dass ich im April 2001 den Preis bekomme, ist das Medieninteresse gestiegen. Was ich zu dem Preis sage? Ich freue mich natürlich! Ich wusste gar nicht, dass ich vorgeschlagen worden bin, ich habe davon nur im Zusammenhang mit Martin Walser gehört ... Aber dass ich da infrage käme? Zum Glück haben mich meine Kollegen letzte Woche informiert, bevor zu Hause die Presseleute standen.

Am DIENSTAG muss ich schon wieder nach Hessen. Aber zuerst spreche ich noch im Präsidium in Eberswalde mit dem Personalrat über meine Arbeit in der vergangenen Woche und die Strukturreform der Polizeipräsidien. Dann aber schnell in den Zug nach Wiesbaden, zur BKA-Tagung zum Thema Rechtsextremismus.

Am MITTWOCH rede ich mit den Kollegen vom BKA über meine Arbeit in Eberswalde: Das BKA koordiniert, sammelt und wertet die Arbeit der einzelnen Dienststellen aus - und es ist immer wieder interessant, zu erfahren, wie die Kollegen in Bayern oder Rheinland-Pfalz mit rechtsextremen Tätern umgehen.