Man sah ihn ungern gehen, fand es aber gut, dass er Schluss machte, als es noch schön war. Doch kaum hieß es dann: Schimanski kommt wieder, hat man sich richtig gefreut. So inkonsequent ist der Fernsehzuschauer. Und jetzt laufen sie, die neuen Schimi-Krimis, und man wünschte, es wäre beim alten Abschied geblieben. Mit den Comebacks ist es so eine Sache: Meist hat, wer da wiederkehrt, genug Kredit, um die Herzen seiner Fans erneut zu erobern. Und doch erscheint dem Publikum der starke Abgang zur rechten Zeit nie so glorios wie nach Besichtigung einer nur halb geglückten Wiederkunft. Was hier durcheinander läuft, sind Nostalgie, Loyalität, überhöhte Erwartungen und der Wunsch, die Zeit anzuhalten. Und das ist alles zu viel und zu verworren, um nicht zu entgleiten.

Es geht bei den Schimanski-Krimis der zweiten Generation ja nicht um das Comeback eines Schauspielers - Götz George kriegt genug Rollen, er braucht Schimanski nicht. Schimanski aber braucht ihn, um sein TV-Leben fortzusetzen, und obwohl George bereit steht, obwohl er in Tödliche Liebe eine achtbare Leistung abliefert, kann man doch nicht sagen, dass es der alte Ruhrpott-Bulle ist, der da die Fäuste schwingt. Zwar heißt er so und hat auch Ideale, von Duisburg ist auch die Rede, und der Hafen kommt vor. Und doch ist alles ganz anders. Nicht nur Schimanskis Partner ist gestorben, auch die Stimmung von einst, der Ton, der Drive, das Feeling. Man hätte dem überlebenden Cop aus Duisburg einen anderen Namen, einen jungen Partner und ein neues Revier geben und ihn ruhig mit George besetzen sollen. Aber man darf nicht so tun, als sei das noch Schimanski. Was da passiert auf dem Schirm, ist nicht bloß Etikettenschwindel. Es ist der verwerfliche Versuch, die Aura eines TV-Idols, das es nicht mehr gibt, quotenmäßig auszubeuten, und das ist einfach unsympathisch. Dem Horst hätte so was nicht gefallen.

Tödliche Liebe ist obendrein als Film misslungen. Schimanski ermittelt im Drückermilieu, undercover, als vorgeblicher Exdrückerkönig, der nach einer Knastpause ins Geschäft zurückkehrt. Die Verhältnisse in dieser mafiosen oder besser: Scientology-mäßigen Szene mit Hirnwäsche und Psychoterror sind derart überzeichnet, dass man sich als Zuschauer weigert mitzugehen. Welcher Arbeitslose, und sei er selbst illegal im Lande, malocht nicht lieber auf dem Bau oder schlägt sich als Dieb durch, bevor er in einer Drückerkolonne schuftet, die ihn mit solchen Schikanen, mit Folter und Mord bedroht? Dieser irreale Horror konnte nicht einmal durch die Präsenz Georges ins Reich des Möglichen und daher Spannenden zurückbefördert werden.