Die deutschen Apotheker haben sich zu früh gefreut. "Sieg für die Arzneimittelsicherheit", triumphierte ihr Verband vergangene Woche. Nach mehreren vergeblichen Anläufen vor anderen Kammern hatte das Landgericht Frankfurt/Main der Internet-Apotheke "0800DocMorris" den Versand von Medikamenten nach Deutschland untersagt. Doch die Cyber-Apotheker verkünden ungerührt: "Wir machen weiter." Denn ob sich die in Frankfurt erwirkte einstweilige Verfügung am Standort von DocMorris im holländischen Kerkrade durchsetzen lässt, will man erst einmal sehen. Um der - für den Fall des Verstoßes gegen die Verfügung - angedrohten Ordnungshaft bis zu sechs Monaten zu entgehen, wird bald kein Verantwortlicher des Unternehmens mehr einen deutschen Wohnsitz haben.

Zur Empörung der heimischen Pillendreher schickt DocMorris weiterhin selbst rezeptpflichtige Mittel nach Deutschland und schenkt den Kunden sogar die Zuzahlung. Dank der justiziellen Gratiswerbung verdreifachten sich bereits die Bestellungen.

"Wir reden übers Geld und nicht über die Volksgesundheit"

Bislang hatten die alteingesessenen Apotheken leichtes Spiel mit der Konkurrenz aus dem Internet. Die Online-Dealer sicherten sich mit ihren Geschäftspraktiken einen Ehrenplatz auf der Hitliste virtueller Schrecken gleich hinter Kinderpornografen und Netz-Nazis. Die Web-Adressen deuteten oft auf obskure Plätze wie die winzige Niue-Insel, der reale Standort des Lieferanten blieb dagegen häufig geheim. Verschreibungspflichtige Medikamente gab es auch ohne Rezept, wobei schon mal statt Prozac gegen Depressionen Proscar gegen Prostatabeschwerden geschickt wurde. Und dann war da noch der wegen Schwarzbrennerei und Kokainhandels vorbestrafte Karlsruher Schnapshändler, der alles lieferte, nur keine Beipackzettel.

Mit solchen dubiosen Figuren wollen die Betreiber von DocMorris nicht verwechselt werden. DocMorris attackiert mit seinen Billigangeboten als erste Online-Apotheke den deutschen Markt nicht vom anonymen Cyberspace aus. An ihrer Spitze steht der niederländische Apotheker Jacques Waterval, ein niederländischer Gesundheitsinspektor kontrolliert regelmäßig. Die Idee kam freilich aus Deutschland. Der Informatiker Ralf Däinghaus hat bereits ein Web-TV-Unternehmen mitgegründet, sein fürs Marketing zuständiger Kompagnon Jens Apermann ist gelernter PR-Mann. Von Hamburg aus suchten sie einen Standort für eine europäische Apotheke, in die sie dann vier Millionen Mark eines Risikokapitalinvestors steckten.

Drei Apotheker und eine Ärztin im 25-köpfigen Team sollen Seriosität garantieren und online beraten. Laut Apermann prüfen sie auch alle Bestellungen und rufen routinemäßig sogar den verordnenden Arzt an - schon um angebliche Verordnungen von seit Jahren toten Medizinern auszusortieren.

Verschreibungspflichtiges wird ohnehin erst geliefert, wenn das Rezept per Post eingetrudelt ist.