Vorbei wie nichts anderes: Politische Musik, die den Mund voll nimmt. Und nicht bloß "verirrte Resonanzen" zur Kriegserklärung an eine barbarisch lärmende Welt erklärt oder Hölderlins verdrechselte Turm-Poesien für einen Akt des Widerstandes hält. Verse, die Ross und Reiter benennen: Stimmen aus dem Massengrab. "Da liegen wir, den toten Mund voll Dreck. / Und es kam anders, als wir sterbend dachten. / Wir starben. Doch wir starben ohne Zweck.

/ Ihr laßt Euch morgen, wie wir gestern, schlachten." Geschrieben von Erich Kästner, 1929 von Stefan Wolpe vertont. "Kampfmusik", von einem Blues eingeleitet und voll von jener zu Herzen gehenden Sentimentalität, die noch jeder Kämpfer für die Gerechtigkeit im Tornister trug. Siehe Eisler.

Dass beide Werke allzu bald verbrannt wurden, bedarf keiner Erklärung. Wolpe trug die drängende Kraft des Jazz und seine heiße Empörung gegen Unterdrückung mit ins Exil. Sie sind latent vorhanden, auch wenn die Oberfläche seiner Stücke abstrakt und gezackt klingen. Sein Quartet for Trumpet, Tenor Saxophone, Percussion and Piano, 1954 in Amerika geschrieben, transportiert die Lava nach außen. Der Vielstimmigkeit der musikalischen Idiome - amalgamiert zu einer Aussage aus einem Guss - entsprechen Wolpes eigene polyglotte Worte über sein Quartett: "One of my best Kampfmusiken, as one called it so most scheußlicherweise in Germany. Es ist populism, and my personal human radicalism, mit offenen Armen gesungen."

Und weiter: "Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem, was ich als Kunst ausdrücken möchte und einem so tief verwurzelten und gebauten Idiom, wie es der Jazz ist." Das mag für John "Johnny" Carisi anziehend gewesen sein, der 1948-50 bei Wolpe studierte. In dieser Zeit schrieb er das polyfone Arrangement Israel für die Miles Davis Band (siehe Birth of the Cool), aber auch das Quartett Counterpoise - Gegengewicht, der Versuch die zentrifugalen Kräfte von Polyfonie und drängenden Rhythmen nach vorne gerichtet auszubalancieren.

Die lebendig durchpulste Performance des Ensembles erweckt die Stücke der CD Counterpoise (hat[now]art 136) zum Leben. In beiden Quartetten ergänzt der Trompeter Marco Blauuw das Trio Accanto, bestehend aus dem Saxofonisten Marcus Weiss, dem Schlagzeuger Christian Dierstein und der Pianistin Yukiko Sugawara. Zwei jazzbeatmete Saxofonquartette von Charisi und Eddie Sauter sind vom Ensemble Xasax beigesteuert. Führt ein Weg zurück in die Politik?

Vielleicht. Denn für die Stücke gilt allesamt das Wolpe-Diktum: "Man sollte sie besonders an öffentlichen Orten spielen

denn sie ist eng verwandt mit den Exaltationen der Menschen."