Frankreich - das Feinschmeckerland? Zwei Drittel der Franzosen glauben nicht mehr daran. BSE-verseuchte Rinder, Listeriosebakterien im Käse, Dioxinhühner und bleihaltige Entenkeulen haben ihnen den Appetit verdorben.

Der BSE-"Psychose" (Le Parisien) der vergangenen Woche folgte der Beinahe-Kollaps des Rindfleischmarktes. Die Kurse börsennotierter Billig-Steakhäuser und Fast-Food-Ketten brachen ein.

Es sind gerade die Snackfabriken, die in Frankreich bisher beispiellos florierten. Schon bevor McDonald's Anfang der siebziger Jahre ins Land kam, machten sich dort Crip-Crop, Dino-Croc und Chicken Shop breit. Französische Konzerne sprangen auf den Zug und gaben ihren Filialen amerikanisch klingende Namen wie Magic Burger, France-Quick, FreeTime oder B'Burger. Wenn Alain Ducasse zum "Küchenchef des Jahres" gekürt wurde, ehrten die Feinschmeckermagazine im gleichen Atemzug Sopad-Nestlé oder Uncle Ben's für deren Schnellgerichte. Industrie und Kochkunst gehen längst Hand in Hand.

Während sich die Haute Cuisine weiter im Ruhm der Tradition sonnte, trat die restauration rapide ihren Siegeszug an: Im vergangenen Jahr zählte Frankreich 1202 eigene Fast-Food-Läden, 1010 waren angelsächsischer Provenienz.

1970 verbrachten die Franzosen im Schnitt knapp eine Stunde beim Mittagessen.

Heute sind es gerade mal 27 Minuten, und oft stehen sie dabei. Eine Million Menschen zieht es täglich zur schnellen Küche von McDonald's. Die Zahl der Bistros dagegen schrumpfte von 200 000 in den sechziger Jahren auf heute 50 000.

Feinschmeckerland Frankreich? Die einstige Gourmetnation liebt Junk-Food.