O schöne neue Welt,

die du solche Menschen hast.

William Shakespeare, Der Sturm

Ein Abfallcontainer, darin ein Vogel, blauschwarzes Gefieder. Die Mehrzahl der Leser hat das banale Zeitungsfoto vermutlich überblättert. Was wäre an dem Marabu im Müll schon außergewöhlich gewesen? Oder gar verwerflich? Nun, die Schwärze und ihre hintersinnige Botschaft, befand die Human Rights Commission. Die Hüterin der Menschenrechte in Südafrika setzte das Bild auf den Index rassistischer Darstellungen. Begründung: Das Motiv insinuiere, Afrikaner würden die Innenstädte herunterschlampen. An den Reaktionen auf diese Verrenkung ließ sich die jeweilige Hautfarbe ablesen: schwarzer Beifall, weißes Gelächter.

Die Kontroverse um das indizierte Bild spiegelt die Befindlichkeit des neuen Südafrika. Eine Regenbogen-Nation wollten die von der Apartheid befreiten Südafrikaner begründen, ein multikulturelles Labor der Welt, bunt und zugleich farbenblind, modellhaft für die Vielvölkerstaaten des 21.

Jahrhunderts. Sechs Jahre später sind sie in die Schwarz-Weiß-Raster zurückgefallen, und die von der Menschenrechtsbehörde gesammelten Beschwerden schollern wie Echos aus dunkler Vergangenheit.

Wenn Schwarze in besseren Hotels nächtigen wollen, sind diese oft ausgebucht, rein zufällig, natürlich. Dunkelhäutige Kinder werden an weißen Schulen abgewiesen. Weiße Kinderschwestern weigern sich, schwarze Babys zu baden.