Vor 50 Jahren, im Juni 1950, fand in Berlin der Kongress für kulturelle Freiheit statt. Anreger des Unternehmens war der Journalist Melvin Joseph Lasky. Mit ihm versammelten sich dezidiert antikommunistische Intellektuelle (darunter viele Exkommunisten), die dem Stalinismus wie dem "Philosowjetismus" von Neutralen wie von Thomas Mann und Bertolt Brecht den Kampf ansagten. In 45 Vorträgen wurden die Schützengräben für den Kalten Krieg befestigt. Generalthema: "Freiheit statt Totalitarismus".

Der Kongress verlegte sein Sekretariat nach Paris und veranstaltete in den nächsten Jahren regelmäßig Tagungen. Kern der Organisation waren die vier Zeitschriften Der Monat, Preuves, Encounter und Cuadernos, mit denen ein Netzwerk von Autoren zusammengeführt wurde, die sich als "Gesinnungsgemeinschaft" verstanden und am "Manifest" orientierten, das in Berlin verabschiedet worden war.

Ulrike Ackermanns Buch behandelt die Geschichte der Kongresse und der Zeitschriften nur sehr kursorisch. Wir wissen, dass sie im Archiv der Preuves war, aber erfahren nicht, was sie dort gefunden hat. Vom Monat sagt Ulrike Ackermann nur, dass er zu seiner Blütezeit 30 000 Exemplare absetzte und 1971 eingestellt wurde, als die Auflage auf 8000 gesunken war. 1978 oder 1979, die Autorin gibt zwei Daten an, wurde auch der Kongress aufgelöst, nachdem er zuvor in International Association for Cultural Freedom umbenannt worden war.

Das Ende kam wohl weniger, weil Organisation und Zeitschriften "dem Verschweigen und der Verdrängung" zum Opfer fielen, sondern eher, weil die New York Times herauskriegte, dass die Unternehmen nicht nur durch die amerikanische Militärregierung und die Ford-Stiftung, sondern auch direkt durch die CIA finanziert worden waren. Organe und Autoren verloren ihre Glaubwürdigkeit, auch wenn diese bis heute behaupten, von der Quelle nichts gewusst zu haben.

Der Ehrgeiz der Autorin geht indes weit über eine Organisationsgeschichte hinaus. Sie möchte erstens eine Kontinuität des "Antitotalitarismus" zwischen 1950 und 2000 belegen und zweitens unterschiedliche Reaktionsmuster von deutschen und französischen Intellektuellen auf "die totalitäre Versuchung" herausarbeiten. Diese Unterschiede gibt es, aber sie haben mehr mit den jeweiligen Bräuchen im Medienbetrieb zu tun als mit der unterschiedlichen Gewichtung der kommunistischen Herrschaft.

Die Achillesferse dieses Buches liegt darin, dass das, was "totalitäre Erfahrung" und "Totalitarismus" meint, diffus und beliebig bleibt. Über den Status eines Kampfbegriffs im Handgemenge des Kalten Kriegs ist das Konzept intellektuell nie hinausgelangt - trotz der Bemühungen von Hannah Arendt und des Lexikons Sowjetsystem und demokratische Gesellschaft, das wie ein Ausbund von Differenziertheit erscheint neben dem Eifer der Autorin.