Die Mischung ist explosiv. Ein junger, sensibler Mann, ein echter Soldat, Kampfflieger sogar, mit Kriegseinsätzen. Feingeist und Macho, empfindsam, aber hart im Nehmen. Als Schriftsteller ebenso genial wie grauenhaft. Er liebt die schiefen Bilder. Er ist äußerst kitschanfällig. Er produziert Weisheiten weit unter Trivialitätsschwelle. Er stemmt steile Formulierungen, die beim Lesen schwindlig machen. Zugleich, oft noch im gleichen Absatz, folgen Passagen von erregender Intensität. Er hat unvergessliche Figuren geschaffen, subtile Empfindungen differenziert beschrieben, eigensinnige Bilder entwickelt.

James Salters Roman Lichtjahre ist auf Deutsch 1998, dreiundzwanzig Jahre nach der amerikanischen Originalausgabe erschienen. Ich hätte nach wenigen Seiten das Buch ein für allemal weggelegt, hätte ich - damals - nicht öffentlich darüber sprechen müssen. Als ich es dann aber fertig gelesen hatte, zugegeben einige Tränen in den Augenwinkeln, von Seite zu Seite mehr und am Ende fast hemmungslos begeistert, da war ich Salter-Fan und zugleich resistent geworden gegen alle - oft nur zu berechtigte - Kritik an diesem, dem vielleicht ungewöhnlichsten amerikanischen Schriftsteller, zumindest der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts.

In den Romanen Lichtjahre und Ein Spiel und ein Zeitvertreib bildet Salter die Mentalitäten eines sozialen Milieus, der oberen Mittelschicht, mit äußerster Genauigkeit ab. Die Konstellation der Lichtjahre hat etwas von der Dignität einer griechischen Tragödie. Es ist die (kontingente, blödsinnig zufällige, also in keiner Weise notwendige) Unausweichlichkeit des Schicksals, die Leben und das bereits greifbare Glück zerstört. Wer solche Geschichten schreibt, darf sich - sagen wir - wenigstens hin und wieder auch mal im Ton vergreifen. Zumal der Autor, gerade in dieser Hinsicht, ein Kind seiner Zeit geblieben ist.

Salter verbindet den muskelprotzenden Stumpfsinn Hemingways mit der lyrischen Dichte Carson McCullers, Don DeLillos Wucht mit der Einfühlsamkeit des jungen Capote. Er ist der letzte - echte - Mann aus den fünfziger Jahren, der auch heute noch schreibt, zum Teil wie in den fünfziger Jahren. Ein Fossil aus alten Zeiten und dadurch der Zeit enthoben.

Dieses Buch ist allen Frauen unter vierzig zu empfehlen Ungeheuerliche Sätze der einen wie der anderen Art finden sich jetzt auch wieder in Salters Autobiografie, die in diesem Herbst, drei Jahre nach der amerikanischen Ausgabe unter dem Titel Verbrannte Tage. Erinnerung auch auf Deutsch erschienen ist.

Da schreibt ihm beispielsweise ein Freund aus der Militärakademie, gerade 21 Jahre alt geworden: "Seit wir uns getrennt haben, bin ich einen weiten Weg gegangen, und ich bedauere jeden Schritt ..."

Und da schreibt er selbst über die Ehefrau Roman Polanskis, die später ermordete Sharon Tate, fast schon tollkühn: "Sie bleibt für mich eine Art Hera, ein Sinnbild der Ehe. Sie war vielleicht keine besonders gute Hausfrau, aber sie hatte ein reines Herz, und ihr Körper war ein Gedicht. Man fühlte, daß sie einen Mann in jeder Hinsicht glücklich machen konnte."