Nicht geringes Entsetzen hat der Essay von Horst F. Rupp bei mir und vielen anderen Lesern, die in Creglingen leben oder diesen Ort kennen, ausgelöst. Der Artikel diffamiert leider alle Menschen, die sich in Creglingen um eine würdige Form der Erinnerung an die jüdische Vergangenheit bemühen.

Rupp verschweigt vieles. Und die Information, der Jüdische Friedhof werde von der Stadt Creglingen nicht zurückgegeben, ist falsch. Im Sommer 2000 wurden Gespräche mit der Israelitischen Religionsgemeinschaft geführt und anschließend ein einstimmiger Gemeinderatsbeschluss zur Rückgabe gefasst.

Die von ihm gerügte Finanzierung des Museumsgebäudes mit öffentlichen Zuschüssen, die von privater Seite kofinanziert sind, wurde mit allen Beteiligten abgestimmt und von ihm seinerzeit als Mitglied des Vorstandes mitbeschlossen und mitgetragen. Die Überprüfung der Stiftungsaufsicht ergab keine Anstände, Rupps Vorwürfe wurden zurückgewiesen. Die Stadt Creglingen leistet einen eigenen Finanzbeitrag von 20 000 Mark und stellt Landesmittel über rund 180 000 Mark zur Verfügung. Von einem "Gratis-Judenmuseum" kann keine Rede sein.

Vor der Gründung der Museumsstiftung auf Initiative des jüdischen US-Amerikaners Dr. Arthur S. Obermayer wurden dessen inhaltliche Vorstellungen zum Museum als Hauptstifter in einem Exposee jedem Interessierten zugänglich gemacht. Und Rupp ist er doch selbst Stifter. Im Einklang mit seinen Vorstandskollegen hat Rupp noch im März 2000 dem Stiftungsbeirat eine Museumskonzeption auf der Basis dieses Exposees vorgelegt. Mittlerweile bekämpft er jedoch die von ihm selbst formulierten Inhalte dieser Konzeption. Eine vernünftige Erklärung hierfür gibt es bis heute nicht. Jedenfalls äußert Rupp den Verdacht, man wolle Geschichte zurechtklittern, wobei es Obermayer und den anderen Vorstandskollegen um eine Darstellung aller Elemente der jüdischen Geschichte geht. Von einem "Heimatmuseum", wie Rupp polemisiert, kann hier nicht gesprochen werden.

Rupps Feststellung, dass in Creglingen die Schoah begann, muss man als unhistorisch zurückweisen. Er scheint hier die einschlägige Literatur nicht zur Kenntnis zu nehmen, die uns von Mordanschlägen und Pogromen, teils mit Todesfolge, im Februar und März 1933 in vielen Städten Deutschlands berichtet. Es soll aber die schlaglichtartige Bedeutung gerade des Creglinger Pogroms, wie sie auch von Lion Feuchtwanger erkannt und literarisch bearbeitet wurde, nicht relativiert werden.

Am Ende seines Artikels bringt Rupp Creglingen ganz pauschal mit den Neonazis, allerdings ohne Glatze und Springerstiefel, in Verbindung. Hier handelt es sich nun um eine direkte Diffamierung und Stigmatisierung. Es wundert mich deshalb nicht, dass Rupp von Arthur Obermayer mit folgenden Worten öffentlich zum Rücktritt als Vorstandsmitglied aufgefordert wurde: "... ich bin sicher, dass Sie nicht die Person sein möchten, deren störende und kontraproduktive Handlungen letztlich zur Aufgabe und Zerstörung eines Museums führen, das von Hunderten, ja vielleicht sogar von Tausenden von Juden auf der ganzen Welt aktiv unterstützt wird."

Die New York Times zitierte am 15. August 2000 Wenzel Jacob, Direktor der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn, zum Streit um das Jüdische Museum in Berlin folgendermaßen (übersetzt): "Die deutsch-jüdische Frage ist so heikel und spannungsgeladen, dass jeder, der sich entsprechenden Projekten widmet, sich in irgendeiner Weise die Finger verbrennen wird, und am ehesten dann, wenn er Deutscher ist. Die Schuld erschwert alles, was sehr traurig ist, denn viele Deutsche sind fähig, sich diesen Aufgaben zu stellen." Dem ist nichts hinzuzufügen.