Das Wort Mohr ist lange schon perdu, obwohl da immer ein bisschen König mitschwang (Caspar) und Moritz, Mauritius, der Heilige. Neger, lallt die Glatze, und alle wissen, was ein Nazi damit meint. Bleibt: Schwarzer international konvertierbar: Farbiger. Na ja, es ist eigentlich nichts weiter als eine kleine Sprachposse, Farbkomödie - am Ende einer langen Tragödie, der Tragödie des Kolonialismus und des Rassenwahns.

Der 1966 als Sohn weißer Eltern auf Madagaskar geborene Jér'me Ruillier hat das Spiel aufgegriffen, aus schwarzer, aus farbiger Sicht. Er hat ein kleines Lehrgedicht daraus gemacht, "nach einer afrikanischen Geschichte", wie es im Untertitel heißt. Das schwarze Kind spricht zum weißen, erinnert es daran, wie schnell weiße Haut sich verfärbt, rot wird in der Sonne (oder vor Verlegenheit), blau in der Kälte, grünlich vor Angst. Dass schwarze Haut dagegen immer schwarz bleibt, selbst nach dem Tod, wenn weiße Haut grau und gelb wird. "Und du sagst", ruft es triumphierend aus, "und du sagst, ich sei farbig!"

Jér'me Ruillier, der seine Ausbildung in Straßburg erhielt und heute als Illustrator und Kinderbuchkünstler in Grenoble lebt, hat die Geschichte in drollige Wachsmalstiftkrakelbilder umgesetzt, sehr reduziert, aber plastisch prall, dass die Augen ein fast haptisches Vergnügen daran finden. Allerdings: Heute ist gut scherzen und kichern, da der Rassenlehre, zu der hoch berühmte Koryphäen der Wissenschaft einst ganze Bibliotheken zusammengeschmiert haben, durch die Genforschung ihre abstruse Grundlage endgültig entzogen wurde.

Immerhin haben Millionen Menschen zwei bis drei Jahrhunderte lang an diesen Rassenkäse, an die charakterentscheidende Bedeutung von Hautfarbe, Kopfform, Nasenlänge und dergleichen geglaubt wie sonst nur, in noch länger vergangenen Zeiten, an Hexenspuk und Geschlechtsverkehr mit dem Teufel. Immerhin hat dieser Rassenmumpitz Millionen Menschen das Leben gekostet.

Insofern kann's nicht schaden, wenn man bei Ruilliers heiterem Büchlein den düsteren Hintergrund mitbedenkt - auch wenn das Mühen ums richtige Wort, um schwarz und farbig, um Negerkuss und Mohrenwäsche, uns hierzulande schon ein bisschen komisch erscheint und der Kosmopolitismus der united colours, der vereinten Farben der Menschheit, inzwischen längst als Werbeweisheit, als Slogan des united Konsumismus von allen Litfaßsäulen grinst.

* Jér'me Ruillier: Einfach farbig Aus dem Französischen von Danielle Heufemann bohem press, Zürich 2000 26 S., 15,- DM (ab 4 Jahre)