Noch sind die verfassungsjuristischen Untiefen von Michael Naumanns Intervention zugunsten einer Bundeskulturpolitik nicht ausgelotet, da legt der Staatsminister schon wieder nach: Der Bund will, wie letzte Woche bekannt wurde, für 400 Millionen Mark die Sammlung Berggruen erwerben. Die Hälfte des Kaufpreises soll aus dem Naumannschen Etat bestritten werden, gestreckt in zehn Jahresraten. Berlin soll 50 Millionen beisteuern, Sponsoren weitere 50 Millionen. Den Rest der Summe will man durch Beleihungen aufbringen.

Im Licht dieser Nachricht zeigt sich Naumanns föderalismustheoretische Provokation als Teil eines geschickt eingefädelten Coups: Während sich seine Kritiker noch mit Grundsatzfragen herumschlagen, legt Naumann dem Land Berlin ein großzügiges Geschenk unter den Weihnachtsbaum. Der Kauf der Sammlung Berggruen sei ein "Symbol der Bundeskulturpolitik", ließ er verlauten. Die spektakuläre Gabe - eine bedeutende Privatsammlung der klassischen Moderne mit Schwerpunkt auf Picasso, Klee, Matisse, Braque und Cézanne - lässt die Vorbehalte gegen Naumanns Konzept einer Bundeskulturpolitik mit einem Schlag kleinlich und undankbar ausschauen.

Als der Emigrant Heinz Berggruen seine berühmte Sammlung der Stadt vor vier Jahren als befristete Leihgabe überließ, wurde dies als eine außerordentliche Geste des Vertrauens empfunden. Es handelt sich also in der Tat um einen hoch symbolischen Akt, wenn nun der Bund durch sein Engagement das Lebenswerk dieses Mannes bewahrt, der aus Berlin vertrieben wurde und zur Freude und zur Beschämung seiner Heimatstadt gerade hier seinen Schatz gezeigt sehen will.

Heinz Berggruen beschenkt Deutschland, indem er dem Bund seine auf mindestens eine Milliarde geschätzte Sammlung zum Bruchteil des Marktpreises überlässt.

Der Bund beschenkt Berlin, indem er der Stadt eine ihrer kulturellen Attraktionen - mit bisher bereits 500 000 Besuchern - sichert. So könnten's eigentlich alle zufrieden sein.

Allerdings muss man sich nicht nur das Schenken, sondern auch das Beschenktwerden leisten können. Die arme Stadt Berlin sieht sich mit einem Angebot konfrontiert, das sie nicht ablehnen kann. Es anzunehmen jedoch bringt sie dem Offenbarungsneid bedrohlich näher. Die erforderlichen 50 Millionen können nicht aus dem Landeshaushalt bestritten werden, während gleichzeitig wegen ein paar fehlender Millionen eine Oper vor der Schließung steht. Der Druck auf die hauptstädtische Kulturpolitik steigt. Und schon bald wird deutlich werden, dass Naumanns Gabe nur die Fortsetzung der Föderalismusdebatte mit anderen Mitteln ist.