Kann die wirtschaftliche "Globalisierung" noch sehr viel weiter gehen?

Ja, viel weiter. Im Gegensatz zur allgemeinen Ansicht ist die internationale wirtschaftliche Verflechtung - eine Bezeichnung, die ich der "Globalisierung" vorziehe - nämlich noch sehr begrenzt. Landesgrenzen sind nach wie vor ein großes Hemmnis für Handel, Kapital und die Wanderung von Arbeitskräften.

Die politischen Systeme und die Rechtsprechung sind in den verschiedenen Ländern der Welt immer noch sehr unterschiedlich. Der Wirtschaftsverkehr über nationale Hoheitsgebiete hinweg bringt deshalb nach wie vor hohe Transaktionskosten mit sich. Wenn wir das ändern wollen, stecken wir in einem "politischen Trilemma der Weltwirtschaft". Seine drei Eckpunkte sind: internationale wirtschaftliche Verflechtung, der Nationalstaat und die nationale Politik, wie wir sie kennen. Ich glaube, dass wir höchstens zwei dieser Dinge gleichzeitig haben können.

Warum? Stellen Sie sich eine komplett integrierte Weltwirtschaft vor, die nicht durch die heute bestehende Vielfalt nationaler Rechtsprechungen gestört wird. Am einfachsten könnte man dies durch eine globale Föderationsregierung erreichen. In den Vereinigten Staaten zum Beispiel sorgen eine nationale Verfassung, Gerichte und die Regierung in Washington dafür, dass die Märkte wirklich national sind - trotz unterschiedlicher Ordnungs- und Steuerpolitik in einzelnen Bundesstaaten. Die EU scheint in die gleiche Richtung zu gehen.

Nationalregierungen verschwinden in einem solchen Szenario nicht unbedingt, aber ihre Macht wird eng begrenzt. Es entsteht eine Weltregierung für den Weltmarkt.

Das ist aber nicht der einzige Weg zur vollständig integrierten Weltwirtschaft. Alternativ könnte man das System der Nationalstaaten auch weitgehend erhalten - aber zugleich darauf achten, dass die nationalen Rechtsprechungen dem Wirtschaftsverkehr nicht im Weg stehen. Innerstaatliche Gesetzgebungs- und Steuerpolitik würden dann entweder international harmonisiert - oder so strukturiert, dass sie eine möglichst geringe Behinderung darstellen. Der Preis wäre, dass die Politik viel weniger zu entscheiden hätte - Thomas Friedmans "Goldene Zwangsjacke". Viele Länder bewegen sich schon in diese Richtung.

Es gibt noch eine dritte Möglichkeit: auf die vollständige wirtschaftliche Verflechtung zu verzichten. Ich nenne das den "Bretton-Woods-Kompromiss". Er hatte bis etwa Anfang der achtziger Jahre Bestand. Damals stand es den Ländern weitgehend frei, ihr eigenes Süppchen zu kochen - solange sie ein paar Handelsbeschränkungen abschafften und ihre Partner nicht unterschiedlich behandelten. Westeuropa baute ein umfassendes Sozialversicherungssystem auf.