Auf diese Szene haben wir lange gewartet: Ein Forscher, soeben der Fälschung überführt, tritt reumütig vor die Mikrofone, verbeugt sich bis zu den Kniekehlen und verliest mit tränenerstickter Stimme ein Schuldbekenntnis.

"Ich wurde Opfer der Versuchung", stammelt der ehemals hoch angesehene Experte und präsentiert sich als fehlbarer Mensch: "Ich habe etwas getan, was ich nicht hätte tun sollen."

Doch die öffentliche Beichte fand nicht vor deutschen Mikrofonen statt, obwohl auch hierzulande so manche Ungereimtheit in den Forscherlabors ans Licht kommt. Nein, es war Professor Shinichi Fujimura, der vergangene Woche Abbitte auf japanische Art leistete. Musste der zuvor gefeierte Star-Archäologe doch zugeben, einige seiner bedeutendsten Funde selbst vergraben zu haben. Die Tageszeitung Mainichi hatte den Forscher mit den "göttlichen Händen" dabei abgelichtet, wie er im Morgengrauen eigenhändig altsteinzeitliche Werkzeuge verscharrte. Ähnliche Stücke hatte Fujimura zwei Wochen zuvor noch als ältesten Nachweis menschlicher Siedlungen in Japan gefeiert. Nun ist er seinen Posten als Vizepräsident des paläolithischen Institutes von Tokohu los und kündigte konsequenterweise an, er wolle sich künftig von der Archäologie gänzlich fern halten.

Zur Schadenfreude haben Fujimuras Kollegen allerdings wenig Anlass. Denn sie müssen sich jetzt fragen lassen, warum sie die Aufdeckung der hanebüchenen Fälschung alleine Journalisten überließen, wo doch schon seit Jahren in Fachkreisen Zweifel an Fujimuras Fundstücken kursierten. Waren die Wissenschaftler unfähig oder nicht gewillt, den Vorwürfen nachzugehen und sie schonungslos aufzuklären?

Diese Frage stellt sich auch in Deutschland. Schließlich sind im Gefolge des größten hiesigen Fälschungsskandals, des "Falls Herrmann", mittlerweile einige der bekanntesten deutschen Krebsforscher in Verdacht geraten. Doch die Arbeit der Untersuchungskommissionen schleppt sich mühsam dahin. Statt zur Aufklärung beizutragen, verschanzen sich die Beschuldigten hinter ihren Anwälten. Die Ungereimtheiten in ihren Veröffentlichungen, so lassen die Forscher verlauten, seien bedauerliche Fehler - aber Verantwortung übernimmt dafür niemand. Juristisch mag das korrekt sein, für das Ansehen der Forschung ist es fatal.

So gesehen, ist Japan zu beneiden. Nicht nur, dass dort die Reporter im rechten Moment auf den Auslöser drücken. Im Land der aufgehenden Sonne zählt offenbar auch die wissenschaftliche Ehre noch etwas. Shinichi Fujimura hat sie soeben gerettet.