Niemand stürzt tiefer als das Teen-Idol. Eines Tages ist der Spaß vorbei, ein singender und schreiender Hohlkopf zu sein. Die Fans schämen sich, einen einmal gemocht zu haben, und der Charakter, den man sich zugelegt hat, blickt trübe aus dem Spiegel.

Das ist der Augenblick, in dem die Karriere einer Teenie-Band zu Ende ist.

Die Mitglieder kündigen dem Management die Gefolgschaft auf

sie glauben, der Welt beweisen zu müssen, was sie "wirklich" können, wenn sie nicht mehr an den Fäden der Fremdbestimmung zappeln. Doch meistens will das niemand wissen.

Ganz selten einmal hat eine Teenie-Band Glück. Die Charaktermasken wachsen an - und gerade das macht es möglich, noch einmal mitzuspielen, noch einmal bejubelt zu werden, noch einmal die Charts zu stürmen.

Selbst an den Maßstäben gemessen, nach denen Teenie-Bands zusammengestellt werden, war die Typologie der Spice Girls extrem einfach, fast schon comichaft. Es gab die Draufgängerin, die Sportliche, die Dümmliche, die Arrogante und die Attraktive. Dass die fünf in einem Akt der Selbstermächtigung, bevor sie auch nur eine Platte veröffentlicht hatten, ihr Management entließen und selbst am Spice-Konzept feilten, bestätigt nur die Perfektion des Castings: Es gehörte zu ihrer Rolle, aus der Rolle zu fallen.

Girlpower im Sinne der Spice Girls hieß: alles selber machen, ältliche Dreinreder vor die Tür setzen und das Ganze perfekt vermarkten. So wurden sie zur erfolgreichsten Mädchenband der Welt.