Es ist ein Vorurteil, dass es vor allem ältere Damen seien, die diesem zweifelhaften Tun nachgehen. Als bewiesen gilt indes, dass Frauen gerne Strümpfe dafür benutzen, während Männer Blechdosen bevorzugen. Kinder wiederum greifen am liebsten zu dickleibigen Tieren. Gemeinsam ist allen, dass sie sich kaum darüber im Klaren sind, wie unanständig sie sich verhalten. Doch jetzt greift die Bundesbank durch. Via Radio und Zeitungsanzeigen forderte sie die Bevölkerung zur "Rückgabe gehorteter Bargeldbestände" auf. Angeblich wegen der nahenden Umstellung auf Euro-Münzen. Doch in Wahrheit geht es den Bundesbankern darum, das Geld wieder in den Wirtschaftskreislauf zurückzuführen, das Sparer zu Hause in abartigen Behältnissen einsperren. Immerhin lagert hier eine Kaufkraft in Höhe von sechs bis zehn Milliarden Mark. Wer Münzen zurückhält, statt sie auszugeben oder bei der Bank einzuzahlen, unterschlägt praktisch Geld, dass der gesamten Volkswirtschaft gehört. Er schwächt die Nachfrage, verhindert Investitionen, vernichtet Arbeitsplätze und treibt die Zinsen hoch. Wer so viel Not und Elend über das Land bringt, gehört selbstredend bestraft. Der verstorbene Geldtheoretiker S. Gesell schlägt zum Beispiel einen Strafzins für alle vor, die Bargeld zu lange horten. Er war überzeugt, dass die Wirtschaft mächtig aufblüht, wenn man die Leute zwingt, ihr Geld schnell wieder auszugeben. Freilich braucht man dazu nicht unbedingt einen Strafzins.

Eine schwache Währung, deren Hortung nicht lohnt, hat den gleichen Effekt.

Also brauchen wir uns wohl gar nicht zu sorgen. Wenn erst einmal die Euro-Münzen da sind, steckt wahrscheinlich niemand mehr Geld in einen Strumpf.