Was kostet ein Mensch? Es kommt darauf an. Kindersoldaten sind auf dem afrikanischen Markt im Dutzend für den Gegenwert eines Gewehrs zu haben.

Indische Zuhälter kaufen Mädchen aus Nepal für rund 600 Dollar das Stück, in Belgien, Italien oder Deutschland müssen Bordellbesitzer bis zu 8000 Dollar für eine Frau anlegen. In Mauretanien kaufen sich Berber einen Schwarzen für den Gegenwert von 15 Dollar. Wer auf dem Hongkonger Heiratsmarkt eine Thailänderin bestellt, muss mit 4000 Dollar rechnen, Kinder für Teppichfabriken in Pakistan oder die brasilianische Holzkohleproduktion gibt es oft umsonst.

Es ist schwierig, ein aktuelles Phänomen angemessen zu beschreiben, wenn der dafür vorgesehene Begriff längst mit dem Mantel des Historischen umhüllt ist.

Sklaverei? Ist doch längst abgeschafft, zuletzt 1888 in Brasilien. Nicht nur aus moralischen Motiven, sondern aus ökonomischer Einsicht, weil die Arbeit freier Menschen produktiver sein soll als die von Sklaven. Von Benjamin Franklin bis Karl Marx haben sie es alle vorausgesagt. Und sie haben sich alle geirrt.

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts hat der Handel mit Menschen und ihre Ausbeutung durch Leibeigenschaft Hochkonjunktur. Auf über 20 Millionen schätzt die britische Organisation Anti-Slavery International die Zahl der Menschen in moderner Sklaverei: Menschen, die in Schuldknechtschaft zur Arbeit auf Farmen, in Minen oder Fabriken ausgepresst werden, Frauen und Kinder, die in die Ehe verkauft oder zur Prostitution gezwungen werden, und schließlich, sagen wir, "traditionelle" Sklaven, die in einigen afrikanischen Ländern immer noch wie Vieh verkauft werden. Sie alle werfen für Händler wie Besitzer enorme Profite ab.

Sieht man von den "traditionellen" Formen einmal ab, dann ist die Hochkonjunktur der Sklaverei vor allem eine Folge der Globalisierung der letzten 30 Jahre mit ihren immer mobileren Kapital- und Warenströmen, ihrer wachsenden Nachfrage nach billigen Dienstleistungen, mit ihren Millionen von "freigesetzten" Arbeitskräften. Bloß verwundert es, dass bei allen hitzigen Debatten, in denen die Globalisierung oft für jedes Übel der letzten Jahren verantwortlich gemacht wird, das Thema Menschenhandel nie auftaucht.

Publikationen beschränken sich weitgehend auf Fallstudien von Menschenrechtsorganisationen, zugänglich für Fachleute und Aktivisten. Aus Italien kommt nun eines der ersten Bücher auf den deutschen Markt. Ware Mensch lautet der Titel. Pino Arlacchi, der Autor, gilt als ausgewiesener Experte für organisierte Kriminalität und ist seit 1997 als stellvertretender Generalsekretär der Uno zuständig für die internationale Verbrechensbekämpfung.