Das Spiel ist aus. Vergangene Woche ist die Übernahme der Londoner Börse durch die schwedische OM-Gruppe gescheitert. Das bedeutet wohl, dass zumindest in den kommenden zwölf Monaten große Fusionsversuche der europäischen Aktienmärkte ausbleiben werden. Da kürzlich schon der Zusammenschluss der Aktienmärkte in London und Frankfurt misslang, hat dies für die Börsenszene beider Länder klare Konsequenzen: London und Frankfurt werden zumindest in näherer Zukunft getrennte Wege gehen.

Man kann das auch positiv sehen. Die beiden Börsen hatten sich ja nicht einmal über die Grundlagen einigen können. Und wie für Ehen gilt auch für Wirtschaftsbündnisse: Besser, die Partner begreifen, dass sie nicht zusammenpassen, bevor die Unterschrift auf den Vertrag oder der Ring auf den Finger gesetzt wird. So konnten beide einigermaßen ihr Gesicht wahren.

Die kulturellen Gegensätze zwischen Deutschland und Großbritannien spiegelten sich bereits während der Frühlings- und Sommermonate in der unterschiedlichen Börsenpolitik in den beiden Ländern wider. In Deutschland, wo es als subversiv und politisch unkorrekt gilt, sich gegen ein europäisches Vorhaben zu stellen, taten sich die Gegner des Projekts schwer, ihre Bedenken vorzubringen. In Großbritannien, wo Skepsis gegenüber europäischen Fusionsprojekten traditionell als Zeichen von Virilität und Reife gesehen wird, hatten es die Gegner leichter.

Wie geht es nun weiter mit den europäischen Börsen? Bevor sie erneut Pläne schmieden, müssen sie nun erst einmal Basisarbeit leisten. Eine Politik der kleinen Schritte ist jetzt klüger als verheißungsvolle, aber unrealistische Visionen. Deshalb ist zu begrüßen, dass zwei der drei führenden Clearinggesellschaften in Europa, das London Clearing House und die Clearingorganisation der deutsch-schweizerischen Terminbörse Eurex, bis zum Jahresende die Vereinbarung über eine Fusion bekannt geben wollen. Die Clearinghäuser wickeln alle Börsengeschäfte ab und garantieren deren Erfüllung.

Eine solche Fusion wäre eine wichtige Voraussetzung für das ferne Ziel am Horizont: den Aufbau einer gemeinsamen europäischen Gegenpartei zur amerikanischen Börse. Eine solche Eurobörse könnte die Kosten von Finanztransaktionen erheblich reduzieren

noch sind diese in Europa bekanntlich viel höher als in den USA.

Allerdings wird die Eurobörse kaum ohne amerikanischen Einfluss zustande kommen. Eben erst hat der Londoner Börsenchef Don Cruickshank zugegeben, dass Europa die amerikanische Nasdaq derartig hofiert, dass sie bei der weiteren Gestaltung der hiesigen Börsenszene wohl ein gewichtiges Wort mitreden kann.