Heute: Tomas Niederberghaus, zurück aus Barcelona Erinnerst du dich an unsere Telefonate? Wir haben oft über die Welt der Katzen philosophastert. Du hattest mir von Luzy erzählt, die sich nachts schnurrend auf deinen Kaschmirpulli bettete, und von Tommi, der kleinen Zuckerschnute. Einmal rief ich dich an, um dir von der Futterbox mit Zeitschaltuhr zu erzählen. So eine Futterbox hat den Vorteil, dass man nicht morgens vom Kater aus dem Schlaf miaut wird. Nach Wochen meldetest du dich mit einer traurigen Nachricht: Luzy tot, Tommi tot. Altersschwäche. Nun, liebe B., ich habe dir etwas mitgebracht. Ein junges Kätzchen aus Barcelona.

Ich kam aus einer Bar. Es mochte morgens um vier gewesen sein, irgendwo in der Altstadt. Die Luft war warm und ich alkoholisiert. Ich winkte nach einem Taxi. Aber keins hielt an. Auch andere Menschen standen an der Straße und winkten verzweifelt. Stattdessen rauschten ein paar Taxis vorbei, die junge Technojünger von einem Club zum anderen brachten. Man sah die schrägsten Gestalten auf den Rücksitzen. Barcelona hat ein echtes Taxiproblem. Es gibt viel zu wenige.

Dafür ließen sich in dieser Nacht unglaublich viele Katzen blicken. Für einen Augenblick war ich mir nicht sicher, ob es tatsächlich so viele waren oder ob es vielmehr die Drinks waren, die den Blick verdoppelten und aus zwei Katzen vier und aus vier acht machten. Aber es waren viele Katzen! Fast hätte ich den Tiger genommen. Schließlich entschied ich mich für die schwarze mit den weißen Stiefeln und der weißen Schwanzspitze. Dann zahlte ich dem Besitzer eine Schutzprämie und wankte durch die Nacht, bis ich im Morgengrauen das Hotel erreichte.

Natürlich war ich am Flughafen nervös. Die junge Katze saß unter meinem Pullover und rührte sich nicht. Ein Sicherheitsbeamter schaute mich missgelaunt an. War die Sache für ihn bereits klar? Sollte ich sagen: Sorry, ein Geschenk? Nichts passierte. Auch den Flug hat die Katze prima überstanden, ohne Milch und Whiskas.

Und nun tapst sie durchs Zimmer und schaut dich mit ihren funkelnden Augen an. Manchmal hebt sie ihr Schwänzchen. Zugegeben: Ihr Miauen klingt wie das Quieken eines Ferkels. Aber sie kann alt werden, diese Katze. Älter als Luzy und Tommi. Und wenn sie mal schwächelt, legst du einfach zwei neue Batterien rein.