Als ehemaliger Wahlmünchner kann man kaum noch mit ansehen, wie München seine Kulturpolitik engstirnigen Fußballfunktionären überlässt und sich durch die planmäßige Verschandelung des Olympiastadions global lächerlich macht.

Da war gestern endlich ein modernes und populäres Jahrhundertbauwerk gelungen, das sich weltweit als Symbol des freiheitlichen Deutschland und als Markenzeichen bayerischer Weltoffenheit eingeprägt hat. Längst gehört es nicht mehr München, Bayern oder Deutschland, sondern ist Weltkulturerbe.

In Berlin setzen wir uns dafür ein, das ideologisch schwer belastete Olympiastadion von 1936 als Baudenkmal und Geschichtszeugnis der NS-Zeit zu bewahren und gleichzeitig durch intelligente Modernisierung WMtauglich zu machen. Dies kann gelingen, weil die elegante Überdachung von Gerkan, Marg und Partner den Altbau ergänzen wird, ohne seine wesentlichen Merkmale und Qualitäten auszulöschen.

Am Münchner Stadion hingegen, das mit der genialen Landschaftsgestaltung eine unauflösbare Einheit bildet, verbieten sich spektakuläre Eingriffe von selbst, weil sie die gesamte Konzeption zwangs-läufig zerstören würden. Hier bleibt nur die Alternative eines Neubaus, der dann auch den gesteigerten Anforderungen der Fußballfreunde voll gerecht werden könnte.

Nachdem Land, Stadt und leider auch der hoch geschätzte Architekt Behnisch schon gekuscht haben, ruht nun die Hoffnung der Architektur- und Stadionfreunde in aller Welt auf den Münchnern, die ihr Meisterwerk nur noch durch ein Bürgerbegehren retten können. Gerade die Fußballfans unter ihnen sollten sich daran beteiligen, denn an dem misslingenden und überteuerten Umbauversuch werden auch sie am Ende keine Freude haben.

Prof. Adrian von Buttlar Universität Kiel Vorsitzender des Landesdenkmalrates Berlin