Tel Aviv

Lea Rabins Sprache war direkt. Ein Charakterzug, der ihr in Israel nicht nur Freunde gebracht hatte. Lea war Lea. Wem sie böse war, mit dem hat sie nie wieder gesprochen. Der ehemalige Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kann ein Lied davon singen. Ihm gab sie die Mitschuld für die Hetzkampagne, die der Ermordung ihres Mannes Jitzhak Rabin vorausgegangen war.

Als Witwe zog sie mutig mit Jitzhaks politischem Erbe durch die Welt, hielt in seinem Namen Vorträge und nahm Ehrungen entgegen. Er prägte ihr Leben.

Seine Frau für immer lautete der Titel ihrer Autobiografie.

Sie hatte den ersten Schritt getan, als sich beide 1944 auf der Straße in Tel Aviv begegneten. "Wo ist Lea?" - das waren seine letzten Worte gewesen, bevor ihn im November 1995 die tödlichen Schüsse trafen.

In Königsberg geboren, emigrierte sie einen Tag nach der Machtergreifung der Nazis mit ihren Eltern nach Palästina

da war sie fünf Jahre alt. Fortan wurde nur noch hebräisch gesprochen, aber ihre Muttersprache hatte Lea Rabin in all den Jahren nicht verlernt. Später sprach sie das Deutsche wieder, ließ sich aber jedes Mal gerne erst dazu überreden - fast ein bisschen kokett, was durchaus zu ihrem Charme passte, mit dem sie viele Freunde gewann. So wie vor zwei Jahren in München, als sie dort den Buber-Rosenzweig-Preis entgegennahm.