Eigentlich möchte man, dass sich jeder der folgenden Sätze selbst verschlingt - dann kann keiner ein Beweis dafür sein, dass Virginie Despentes und Coralie Trinh Thi die Provokation gelungen ist. Ihr Film Baise-Moi lebt nämlich einzig durch die Provokation, die er auslöst. An sich ist er nur ein totes und leeres Stück Spekulation. Aber wenn Zuschauer davor zurückzucken oder (wie in Frankreich) eine Indizierungsstelle zum Gegenschlag ausholt und das Werk in die Pornokinos verbannt - muss dann nicht etwas dran sein? Es ist nichts dran. Dieser Film bemüht sich weder um eine Handlung noch um Charaktere. Er bemüht sich nur um die Zuschauererregung. Insofern funktioniert er tatsächlich pornografisch. Eine Frau wird vergewaltigt, eine andere geschlagen, daraufhin ziehen beide wild fickend und mordend durchs Land. Sex und Gewalt: beides steht für weibliche Lebenswut und wird wahllos exekutiert. Nur die Kamera unterscheidet genau zwischen Mord- und Sexszenen.

Die einen sind gestellt, die anderen nicht. Hier dringen Schwänze in Frauen ein, hier wird geleckt und geblasen in Großaufnahme. Wenn dagegen eine Kugel in einen Körper eindringt, wenn geblutet wird und gestorben, dann ist plötzlich wieder alles Trick. Diese Ungleichbehandlung hat eine bizarre Folge: Der Sex wirkt, durch seine Unmittelbarkeit, brutaler als der Tod.

Nichts könnte perverser sein. Den Regisseurinnen allerdings sind solche Feinheiten gleichgültig. Hauptsache der Erregungspegel stimmt. Weil Baise-Moi aber eine so glasklare Provokationsposse ist, sackt auch der schnell ab. Je weniger Ärger er aufstachelt, desto mehr siecht der Film dahin. Bald wird er wieder so tot sein, wie er immer schon war.