die zeit: Herr Trittin, warum ist der internationale Klimaschutz so kompliziert geworden, dass allenfalls noch ausgewiesene Experten verstehen, worum es eigentlich geht?

Jürgen Trittin: Weil in vielen Industriestaaten der Ausstoß von Treibhausgasen steigt - anstatt, wie vor drei Jahren in Kyoto versprochen, zu sinken. Deshalb wird jetzt verzweifelt nach Möglichkeiten gesucht, sich billig und schnell anderweitig aus der Affäre zu ziehen. Plötzlich sollen nun kommerzielle Waldplantagen als Klimaschutzmaßnahme gelten

plötzlich soll flaches Pflügen den globalen Klimawandel stoppen. Als ob das UN-Klimasekretariat oder sonst irgendwer kontrollieren könnte, ob die Farmer in den Weiten Kanadas oder im Mittleren Westen der USA tiefer als 15 Zentimeter pflügen.

zeit: Wenn es dem Klima hilft, warum nicht?

Trittin: Es hilft dem Klima aber allenfalls vorübergehend. Wichtiger noch ist aber Folgendes: Wenn man heute auf temporäre Kohlenstoffspeicher ausweicht, drückt man sich vor den technologischen Weichenstellungen für weitere Emissionsminderungen. Die sind aber unumgänglich, sollen die Entwicklungsländer wirklich Entwicklungschancen haben.

zeit: Die Industrieländer müssen in der Erdatmosphäre Platz schaffen für den unvermeidlichen Emissionszuwachs der Entwicklungsländer. Meinen Sie das?

Trittin: Genau. Deshalb sind die in Kyoto vereinbarten Emissionsminderungen um fünf Prozent erst der Anfang.