Walter Riester und Andrea Fischer haben sich wenig zu sagen. Der drahtige Arbeitsminister und seine grüne Kabinettskollegin sehen sich zwar regelmäßig, doch als innig wäre ihr Verhältnis schlecht beschrieben. Das "strenge Schwäbische" des Ministers sei einer "sinnenfrohen rheinischen Katholikin" eher fremd, sagt Fischer. Indirekt bestätigt Riester das: Frau Fischer habe "die ganz große Oper" gemacht, erzählt er schon mal nach einem Treffen. Die grüne Dame rege sich immer gleich mächtig auf.

Auf den ersten Blick können die beiden nicht widersprüchlicher sein: hier der introvertierte Exgewerkschaftsführer, der es schon übel nimmt, wenn Bild ihn großformatig bei der Arbeit an seiner Steuererklärung ablichtet. Dort die ehemalige Setzerin der tageszeitung, die sich nicht scheut, in Interviews darüber zu räsonieren, wie der Ministerjob ihr Lebensgefühl verändert. Hier der gelernte Fliesenleger, der schon mehrere Ferien damit verbrachte, das Eigenheim zu kacheln. Dort die Bürgertochter mit Wohnsitz in Berlin-Kreuzberg, die in der Freizeit Saxofon spielen geht.

Doch beide verbindet der undankbare Auftrag, den deutschen Sozialstaat zu reformieren. Für beide läuft die Mission derzeit nicht gut. Fischer scheiterte mit ihrer Gesundheitsreform am Widerstand der Länder

Riester taumelt bei der Rentenpolitik von Korrektur zu Korrektur der eigenen Pläne.

Eigentlich müsste gerade die Reform der sozialen Sicherungssysteme eine Art Kernkompetenz jeder sozialdemokratisch geführten Bundesregierung sein. Aber Pustekuchen: Das Kabinett von Bundeskanzler Gerhard Schröder hat einiges geschafft, was ihm nicht viele zugetraut hätten - Krieg zu führen etwa oder eine echte Steuerreform zu verabschieden. Ausgerechnet mit den Sozialreformen tut Rot-Grün sich schwer.

In den vergangenen zwei Wochen kam es in Berlin gleich mehrfach zum Eklat.

Erst verkündete der Kanzler auf dem ÖTV-Kongress zur Rentenreform: "Wir machen es. Basta!", am nächsten Tag wurde er selber von einer neuen Vereinbarung zwischen Riester und Finanzminister Hans Eichel überrascht. In endlosen Krisensitzungen rangen die Koalitionspolitiker um passende Termine für die Rentenreform. Die Änderungspläne für Invalidenrenten wurden vom Gesundheitsministerium abgelehnt, weil dadurch die Krankenkassen höhere Kosten zu tragen hätten.