Das Ghetto soll endlich geöffnet, ein seit der Gründung Anfang der siebziger Jahre leeres Versprechen eingelöst werden: Rudolf Scharping, Bundesminister der Verteidigung, will die Universitäten der Bundeswehr in Hamburg und München für zivile Studenten öffnen. Na ja, erst mal ein klitzekleines bisschen: für ganze 50 - 20 in Hamburg, 30 in München - und auch nicht für jeden x-beliebigen Studenten. An seiner Ausbildung muss die Industrie ein herausragendes Interesse haben, denn sie muss zahlen, und das nicht wenig: für den Studienplatz - etwa 40 000 Mark - und für den Lebensunterhalt: Zum einen darf der Verteidigungsminister keine zivilen Studenten ausbilden - er verstieße gegen die Verfassung, weil die Länder dafür zuständig sind zum anderen ist ein so rigide organisiertes Studium nicht zu schaffen, wenn man jobben muss.

Angepeilt ist also sozusagen ein militärischindustrieller Hochschulkomplex, in dem die Bundeswehr ihre Offiziere ausbildet und Industriebetriebe ihre zivilen Führungskräfte. Dahinter steckt kein gesellschafts- oder hochschulpolitisches Konzept, sondern Not: Die teuren Bundeswehruniversitäten sind nicht mehr ausgelastet.

Passiert ist bislang so gut wie nichts, um die Hochschulen auf zivile Studenten vorzubereiten. Das Verteidigungsministerium hat lediglich mit 14 Firmen eine "Rahmenvereinbarung" geschlossen. Wer aus diesem Kreis wen oder was bezahlt: alles offen. Was sich in den Hochschulen ändern muss: unbekannt.

Die Verständigung unter den beteiligten Partnern: nahezu null.

In Hamburg gibt es 2070 Studienplätze, doch nur 1936 Soldatenstudenten. Sie verteilen sich auf vier Fachbereiche - Elektrotechnik, Maschinenbau, Pädagogik, Wirtschafts- und Organisationswissenschaften - mit acht Studiengängen: Betriebs- und Volkswirtschaft, Politologie, Wirtschaftsingenieur, Elektrotechnik, Maschinenbau, Pädagogik, Geschichte.

Studiert wird nach dem Trimestersystem die Regelstudienzeit beträgt zehn Trimester, also drei Jahre und drei Monate das schaffen viele nicht, sodass im Schnitt ein Trimester drangehängt werden muss. Niemand aber darf länger als vier Jahre studieren.

Die Bundeswehruniversität war von Anfang an eine Reformuniversität, hier wurde und wird praktiziert, was andere anstreben: neben dem Trimestersystem und Regelstudienzeiten integrierte Studiengänge, Arbeit in Kleingruppen, allgemeinbildende Studienanteile. Das Verhältnis Lehrende/Lernende ist komfortabel, die Ausstattung mit Bibliotheken, Rechenzentren, Labors hervorragend. Jeder muss obendrein Sport und eine Fremdsprache belegen. Alle leben in Wohngemeinschaften auf dem Campus und zahlen dafür 150 Mark im Monat. Sie können sich ganz auf ihr Studium konzentrieren, ihr Lebensunterhalt ist gesichert. Das hat Modellcharakter, ist aber eine Frage des Geldes.