Der Bericht, den die Kommission zur Überprüfung der Aussstellung Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944 am vergangenen Mittwoch in Frankfurt präsentierte, spricht ein salomonisches Urteil. Zwar kommen die Gutachter zu dem Ergebnis, dass die öffentlich geäußerte Kritik "zumindest in Teilen berechtigt" gewesen sei. Die Überprüfung der Dokumente in den benutzten Archiven habe Ungenauigkeiten und in einigen Fällen auch falsche Zuschreibungen zutage gefördert.

Vom Vorwurf der Manipulation, wie ihn der Hauptkritiker der Ausstellung, der polnische Historiker Bogdan Musial, erhoben hat, werden Hannes Heer und sein Team jedoch entlastet. Die Ausstellung enthalte "keine Fälschungen im Sinne der leitenden Fragestellungen und Thesen".

Ausdrücklich werden die Grundaussagen über den Charakter des "Vernichtungskrieges im Osten" bestätigt. Die Wehrmacht sei am Völkermord an den Juden wie auch an den Verbrechen an Kriegsgefangenen und Zivilisten "teils führend, teils unterstützend beteiligt" gewesen. Es handle sich nicht um vereinzelte Übergriffe und Exzesse, sondern um "Handlungen, die auf Entscheidungen der obersten militärischen Führung und der Truppenführer an der Front und hinter der Front beruhten".

Obwohl "die Intensität und Seriosität der von den Ausstellungsautoren geleisteten Quellenarbeit" insgesamt nicht in Zweifel gezogen wird, sieht die Kommission allerdings ein Glaubwürdigkeitsproblem, das aus dem "überheblichen und unprofessionellen Umgang" mit den Kritikern resultiere.

Die Kommission empfiehlt, die Ausstellung in einer gründlich überarbeiteten Form weiter zu präsentieren. Die Kernaussagen müssten nicht revidiert, wohl aber besser gegen Missverständnisse geschützt werden. Notwendig sei nicht nur ein sorgfältigerer Umgang mit den Dokumenten, vor allem mit dem Fotomaterial, sondern auch eine differenziertere Argumentation, die "weniger durch den Gestus der Staatsanwaltschaft als durch die Theorie und Methodologie der Geschichtswissenschaft geprägt sein" sollte. Das Fazit: "Die Ausstellung war, wie die öffentlichen Auseinandersetzungen gezeigt haben, sinnvoll und nötig."

Ein klares Votum. Welche Schlussfolgerungen wird der Leiter des Instituts für Sozialforschung, Jan Philipp Reemtsma, daraus ziehen? Wie man hört, sind seine eigenen Überlegungen zur Neugestaltung der Ausstellung, ganz unabhängig von dem jetzt vorgelegten Gutachten, bereits weit fortgeschritten. Volker Ullrich