Nicht nur zum Panzergeschäft mit Saudi-Arabien leistete Ludwig-Holger Pfahls seinen Beitrag, auch in Sachen Privatisierung der ostdeutschen Leuna-Raffinerie war der Staatssekretär a. D. ab 1992 aktiv. Pfahls, nach dem Ausscheiden aus der Bundesregierung Daimler-Manager in Brüssel, griff zusammen mit dem saarländischen Geschäftsmann Dieter Holzer immer ein, wenn die Verhandlungen zwischen dem französischen Konzern Elf-Aquitaine und der Berliner Treuhand-Anstalt zur Verwaltung des DDR-Vermögens ins Stocken gerieten. Pfahls aktivierte seine Kontakte ins Kanzleramt. Offenkundig wurde er für diese Dienste mit bis zu 17 Millionen Mark belohnt.

So jedenfalls lesen sich die Akten der Schweizer Justiz. Der Genfer Richter Paul Perraudin untersucht seit Jahren die Affäre Elf Aquitaine-Leuna. Er stieß dabei im Sommer auf Erkenntnisse über "das Zentrum eines Systems der Weiterverteilung kriminell erworbener Gelder". Im "zeitlich engen Zusammenhang mit dem Leuna-Geschäft", so verlautet aus der Genfer Justiz, gründete Pfahls in Panama ein Geflecht aus Briefkastenfirmen, Stiftungen und Holdings. Dabei waren ihm Treuhänder des Geschäftsfreundes Holzer behilflich.

Es sei darum gegangen, "Offshore-Strukturen einzurichten, um dort Gelder von Holzer zu parken".

Holzer, gegen den die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft ermittelt, war 1992 als Berater von Elf engagiert worden, um den politisch komplizierten Leuna-Deal zu befördern. Über Konten der Holzer-Firma Delta International flossen 1992 mindestens 80 Millionen Mark "Provisionsgelder". Wofür genau, ist im Einzelnen bis heute unklar. Am Freitag vergangener Woche durchsuchte die Polizei Holzers Berliner Privat- und Büroräume.

Die Schweizer Ermittler sind sicher, dass aus dem 80-Millionen-Topf mindestens 6 der 17 Millionen Mark stammen, die von 1992 bis 1997 zwischen Pfahls' panamaischen Offshore-Firmen und Holzers Konten in der Schweiz, Liechtenstein und Luxemburg hin- und herflossen. Die globalen Kreuz- und Umwegüberweisungen, das verwirrende System gegenseitiger Darlehensgewährung zwischen Holzer und Pfahls spiegeln "eine wirtschaftliche Irrationalität gewisser Geschäfte" wider. Für Richter Perraudin sind das "klare Indizien für den kriminellen Charakter der untersuchten Gelder". Auffällig bei den Geldflüssen via Panama, Zürich, Vaduz, Luxemburg und Frankfurt sind häufige Barabhebungen durch Pfahls. Die Genfer Justiz mutmaßt deshalb, dass das Geld "für Bestechungen" genutzt wurde. Demnach käme Pfahls als Geldbote infrage.

Die Schweizer ermitteln, ob Teilsummen der 80 Millionen Mark "an Dritte, öffentliche Bevollmächtigte, staatliche Entscheidungsbefugte, gewählte Vertreter und andere Mittelsleute" überwiesen worden sind. Das Geld könnte geflossen sein, so Richter Perraudin, um "auf optimale Weise durch den tatkräftigen Eingriff der zuständigen deutschen Behörden an öffentliche Zuschüsse jeglicher Art zu gelangen".

Dieter Holzer bestreitet das. Bestechung habe beim Leuna-Deal keine Rolle gespielt. Er erklärt die 17-Millionen-Transfersumme zwischen seinen und Pfahls' Konten mit einem gescheiterten Daimler-Projekt in Ostdeutschland, an dem beide beteiligt gewesen seien. Seltsam, dass bei Daimler niemand von einem solchen Projekt weiß.