Hier wird gestorben werden, fünffach und freiwillig. Darum redet The Virgin Suicides keinen Moment herum. Der Film betrauert die Tode der fünf Töchter, die Mutter und Vater Lisbon ins Vorstadthaus stehen, von den ersten Minuten an, zutiefst und tragödienbewusst. Doch der Film trägt wohlweislich nicht schwarz, sondern ist ganz erfüllt von dem blonden Gegirre, von dem Schein und dem fröhlichen Glanz der fünf Mädchen, der um sie ist, solange sie noch leben. Er ist davon erfüllt, wie die Jungs der Vorstadt es sind. Sie erzählen, wie es kam, dass die fünf Schwestern ihren Leben ebenso romantisch wie unerbittlich ein Ende setzten. Schließlich haben die Jungs eine Traumzeit, eine männliche Jugend lang, mit den Augen an den unerreichbaren Engeln gehangen und Notiz von jedem Schritt genommen, den diese tun durften.

Die liebenden Eltern nämlich bewachen ihre Mädchen streng, aus Angst, die Töchter an das Leben und also an eine andere Liebe sowie Risiken aller Art zu verlieren. Strenger als gut sein kann, wenn man gerade 13 oder 15 oder 17 ist. - Der erste Kinofilm von Sofia Coppola (Francis Fords Tochter) handelt von einem Alter, das man schwierig nennt. Coppola spielt mit Augenaufschlägen, peinlichen Pannen eines Jungslebens, mit Hall und Hauch und Wolken, dem Zauber des Mädchenreiches, dem Rätsel, wie es die Schwestern schaffen, immer wieder hold und renitent zugleich zu sein: sogar in Ballkleidern, die wie Nachthemden aussehen. Der Film ist ein Treue-Eid. Auf die erste Liebe und das unsterbliche Romeound-Julia-Gefühl. Ohne die Lisbon-Schwestern ist das Leben ohne Sonne - grünbläulich kalt wie die letzten Bilder.