Wahrsager hatten Hochkonjunktur in den euphorischen Anfangszeiten der New Economy. Doch manches Zukunftsbild entpuppte sich als Fata Morgana. Die ersten Internet-Firmen haben Pleite gemacht, die Anleger sind skeptisch geworden gegenüber allzu hochfliegenden Träumen. Einige Aktien einst hoffnungsvoll gestarteter Gesellschaften werden heute für Pfennigbeträge gehandelt. Börsianer nennen solche Werte Pennystocks. Nur Zocker und unverbesserliche Optimisten investieren in solche Werte.

Obwohl die Zahl der Pennystocks in panischen Zeiten zunimmt, waren sie ursprünglich kein Crash-Phänomen. "Traditionell sind Pennystocks in Australien und Kanada, vor allem in Vancouver notiert", berichtet der Stuttgarter Anlageexperte Gerald Cesar. Es handelte es sich dabei um Gesellschaften, die nach Öl oder Gold suchen. Die Kursbewegungen sind extrem, da die Märkte sehr eng sind. Weil bei vielen dieser Gesellschaften nur wenige Aktien gehandelt werden und die Anleger oft schlecht informiert sind, ließen sich die Kurse leicht manipulieren, sagt Cesar. Gelegentlich würden die Käufer traditioneller Pennystocks Opfer krimineller Machenschaften. Das obskure Marktsegment würde "Halbwelt und dunkle Gestalten" anlocken.

Auch die traditionellen Pennystocks genießen also nicht gerade den besten Ruf. Gemeinsam ist den herkömmlichen und den neuen Pfennigpapieren, dass sie hoch spekulative Anlagen sind. Bei den Öl- und Goldsuchern ist es sehr fraglich, ob sie jemals fündig werden - ob der Kurs also plötzlich in die Höhe schnellt oder der Anleger im Gegenteil seine Investitionen irgendwann total abschreiben muss. Ähnlich ist es mit den Internet-Firmen, deren Kurs ins Bodenlose fiel. Werden sie ihre Geschäftsträume wider Erwarten doch noch verwirklichen, oder geben sie demnächst auf?

An der Nasdaq sind inzwischen etliche Papiere zu Pennystocks geworden. Der Kurs der US-Firma Garden.com, die Gartenzubehör im weltweiten Netz verkauft, stürzte zum Beispiel in den vergangenen zwölf Monaten von 15 Dollar auf einen viertel Dollar. Die Aktie von Beyond.com, das über das Internet Software verkauft und Websites einrichtet, fiel von 12 Dollar auf etwa 50 Cent. Das Papier der drkoop.com, die im Internet kostenlose Gesundheitstipps bietet und sich über Werbung finanzieren will, ist jetzt für um 80 Cent zu haben. Und der Internet-Lebensmittelhändler Webvan ist von 31 Dollar auf rund einen Dollar abgestürzt. Auch am Neuen Markt nähern sich einige Kurse der 1-Euro-Marke. Gigabell, im März noch 131 Euro wert, erreichte seinen Tiefststand im November bei 1,25 Euro, letsBuyit. bei 1,22 und musicmusic bei 1,32 Euro.

Derart niedrige Kurse verschaffen den betroffenen Unternehmen ein zusätzliches Problem. Schon wenn die Aktien unter fünf Dollar fallen, werden sie in der Regel nicht mehr von Profis gekauft - was den Kurs weiter in die Tiefe taumeln lässt. Außerdem stellen die Banken oft ihr Research ein. Die Nahrung für Kaufinteresse entfällt. Schrumpfen die Kurse schließlich unter die Marke von einem Dollar, droht neues Ungemach. Die US-Börse Nasdaq wirft alle Aktien raus, die längere Zeit weniger als einen Dollar kosten. Dann bleibt nur noch der Handel im US-Freiverkehr, der praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet.

Weil Anleger wie Lemminge sind, schwinden die Chancen

Fraglich ist, ob die Aktien tatsächlich keine Zukunft haben und zu Recht in die obskure Gesellschaft der Pennystocks geraten sind. In vielen Fällen ist der Absturz individuell verschuldet - durch Unvermögen des Managements, Überschätzung des Marktpotenzials und der Finanzierungsmöglichkeiten oder Unterschätzung des Konkurrenzdrucks. Verschlimmert wird die Situation aber derzeit durch das Herdenverhalten der Anleger. Die Börsen stehen heute unter dem Diktat der Pessimisten. Visionen, noch zu erschließende Märkte und ungewöhnliche Geschäftsmodelle sind out, den in Ungnade gefallenen Unternehmen wird wegen des Kursverfalls der Geldhahn zugedreht.