Kaum war der Vorgang auf dem Tisch, war er auch schon erledigt. Mit einem Federstrich genehmigten Sachbearbeiter des Finanzamtes Düsseldorf dem Thyssen-Konzern die Rekordsumme von 219 Millionen Mark Schmiergeld als steuerabzugsfähige Betriebsausgabe. Dem Land Nordrhein-Westfalen und der Bundeskasse bescherten sie damit einen Körperschaftsteuerausfall in Höhe von 150 Millionen Mark. Aber auch ansonsten ist von einer kühnen Entscheidung die Rede: Immerhin machte das Schmiergeld, ohne dass sich das Finanzamt daran störte, 47 Prozent des Bruttoauftragsvolumens aus.

Die Beamten hielten ihren Steuerbescheid in Sachen Fuchs-Panzer-Schmiergeld in einem Vermerk vom 21. November 1990 - "streng vertraulich" - fest. Zwar registrierten sie leicht erstaunt die "Provisionszahlungen in nicht unbeträchtlicher Höhe", formal ging die Sache von Amts wegen jedoch in Ordnung. Tatsächlich war die Bestechung zum Zeitpunkt des Fuchs-Panzer-Deals nicht verboten in Deutschland: wenn sie an "Steuerausländer" gingen. Genau das scheint aber in diesem Fall nicht so gewesen zu sein. Gut möglich nämlich, dass ein erklecklicher Teil der 220 Millionen Mark nicht ins Ausland gingen, sondern in Deutschland verblieben. Möglicherweise beim Thyssen-Konzern selbst. Möglicherweise in schwarzen Kassen.

Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft jedenfalls ermittelt gegen sechs Manager des Konzerns, darunter Vorstandschef Eckhard Rohkamm, wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Im vergangenen Juni erließ das Amtsgericht Düsseldorf einen Durchsuchungsbeschluss für dessen Wohn- und Geschäftsräume. Und der liest sich wie eine Ohrfeige für die Betriebsprüfer des zuständigen Düsseldorfer Finanzamtes. Die Finanzbeamten hätten sich, so das Amtsgericht, mit den Thyssen-Angaben zufrieden gegeben, ohne sie genauer geprüft zu haben.

Die Beamten hätten blind akzeptiert, was Thyssen präsentierte.

Dabei hätten die Betriebsprüfer stutzig werden können, meint das Amtsgericht.

Die Tarnfirmen Ovesim, Linsur und Great Aziz, über deren Konten knapp 195 Millionen Mark der Thyssen-Schmiergelder liefen, seien - neben vielen anderen - Briefkastenfirmen gewesen, die dem Thyssen-Konzern zuzurechnen seien. Die Düsseldorfer Richter listen eine Vielzahl von Fakten auf, die diese Vermutung stützen. Besonders verwunderlich finden sie die Höhe des Bestechungsgeldes.

Außerdem scheint für die Amtsrichter festzustehen, dass die als Provisionen kaschierten Summen beim Thyssen-Konzern verblieben sind.