Wenn man ihnen einen Rat geben kann, dann diesen - sie sollten etwas lesen: den Abschlussbericht zum letzten Teil der Third International Mathematics and Science Study, kurz Timss geheißen,den eine Forschergruppe um den Berliner Erziehungswissenschaftler Jürgen Baumert am Mittwoch vorgelegt hat. 1997 hatte ein früherer Teil dieser Schulvergleichsstudie den "Timss-Schock" ausgelöst. Damals mussten Deutschlands Eliten lernen, dass ihre Kinder in Mathematik und Naturwissenschaften im internationalen Vergleich allenfalls gutes Mittelmaß sind. "Deutsche Schüler können nicht rechnen" - das saß.

Jetzt kommt der zweite Schock. Empirisch gut gesichert, methodisch über alle Zweifel erhaben, weisen die Berliner Wissenschaftler nach, woran es fehlt. Das Problem ist nicht, nirgends, die Schulform, es ist der Unterricht in allen Schulformen. Denn es fehlt an guten Lehrern und an guten Lehrplänen. Es mögen annehmbare Physiker oder Mathematiker sein, die unser Land auf seinen Nachwuchs loslässt, aber sicher sind es miserable Pädagogen. Mathematik pauken sie ihren Schülern als ein starres Regelwerk ein, als Gebrauchsanweisung zur mechanischen und verständnislosen Lösung von Klausuraufgaben.

Dass man über unterschiedliche Lösungswege diskutieren kann, dass Mathematik eine mächtige Sprache ist, in der sich die Welt beschreiben und verändern lässt - Deutschlands Abiturienten haben davon nie gehört. Ähnlich sieht es in der Physik aus: Schüler, die zur Elite des 21. Jahrhunderts gehören sollen, wachsen mit dem mechanistischen Weltbild des 19. Jahrhunderts auf. Kreative Spitzenleistungen wird man von ihnen kaum erwarten können.

Da auch die Bildungspolitiker dieses Landes durch ihre eigene harte Schule gegangen sind, bedarf der Rat, sie mögen doch bitte, bitte diese wichtige neue Studie lesen, einer kleinen Ergänzung: lesen - nicht auswendig lernen. Und dann über unterschiedliche Lösungswege diskutieren.