Und wieder ist die Welt um ein Vorurteil ärmer. Genauer betrachtet, sogar um zwei. Ältere Menschen, so glauben viele, wüssten mit neuen Medien wie dem Internet nichts anzufangen. Weit gefehlt. Laut Medienforschung der GfK wächst der Anteil der über 50-jährigen Surfer stetig. Gleich in Scharen besuchen sie Internet-Kurse. Und kommt man ihnen mit nützlichen und amüsanten Angeboten entgegen, wissen Senioren das ganz besonders zu schätzen.

Diese Erfahrung machte jedenfalls Alexander Wild (34). Er gründete den ersten Online-Club für die Zielgruppe 50 plus. "Die wird noch immer unterschätzt", sagt er. Und er weiß, wovon er redet. Schon während seiner Studienzeit beschäftigte sich Wild mit Seniorenmarketing und elektronischem Handel. Das war bereits vor 15 Jahren.

Sein aktuelles Angebot im Netz: Informationen über Hobbys, Freizeit und Reise, Weiterbildung, Geld sowie Finanzen. Chaträume laden zum Plausch ein. Viel Geld für eigene Werbung hatte er nicht. Dafür kam ihm das Glück zu Hilfe. Aufmerksamkeit erregte sein Projekt beispielsweise, als sich zwei seiner "Silver-Surfer" jüngst das Jawort gaben - nicht im Cyberspace, sondern in einem irdischen Standesamt.

Erst allmählich sickert die Erkennis durch, dass viele Senioren nicht nur aktiv und neugierig, sondern dazu noch lebenslustig sind. Außerdem, so weiß Marketingexperte Wild, zeichne sie Großzügigkeit und die Bereitschaft aus, ihr Geld in den Lebensgenuss zu investieren.

Ihre Einkommen erreichten in der Regel dieselbe Höhe, wie jene der Altersgruppe zwischen 20 bis 49 Jahren. Trotzdem gilt es als trendy, vor allem das Mittelalter zu umgarnen. Was die Kreativen aus der Werbewirtschaft offensichtlich noch ignorieren: Die Älteren haben meist weniger finanzielle Verpflichtungen als jüngere Konsumenten.

Wild bietet seinen Service im Netz gleichwohl gebührenfrei an. Er finanziert ihn hauptsächlich über Werbung. Damit liegt er zwar im Trend der Netzwirtschaft. Allerdings: Nach eigenen Angaben schreibt er bereits seit August schwarze Zahlen. Und davon können nur ganz wenige Internet-Firmen berichten.

Offensichtlich erkennt die werbende Wirtschaft inzwischen langsam, aber sicher, dass viele ältere Menschen nicht nur Geld, sondern auch mehr Zeit als andere haben. Konzerne wie die Telekom, Bahn oder Bausparkassen sowie Versicherungen zählen inzwischen zu Wilds Werbekunden.